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Die App Human Anatomy Atlas von Visible Body ist eine Augmented Reality App, die 3D- Modelle des menschlichen Körpers sowie einzelner Organe erstellt. Diese werden in der erweiterten Realität, das heißt in der Schnittstelle zwischen der realen und der digitalen Welt, angezeigt. Konkret heißt das, dass zum Beispiel das digitale Modell einer Lunge auf dem realen Untergrund eines Tisches im Klassenraum in der App zu sehen ist. Dieses Modell kann dann nach Belieben gedreht, vergrößert und auch in die einzelnen Strukturen zerlegt werden. So wird eine eingehende Betrachtung möglich. Durch das Anklicken von Strukturen werden diese noch einmal hervorgehoben und Informationen zu diesen angezeigt. Im Unterricht kann diese Funktion vor allem zur Visualisierung eingesetzt werden. Jedoch gibt es auch Arbeitsbögen auf denen zum Beispiel eine einfache Abbildung einer Lunge zu finden ist. Diese wird beim Scannen oder Auswählen in der App als 3D-Modell angezeigt. So können dann auf dem Arbeitsbogen die Strukturen beschriftet werden und auch ausgelassene Strukturen eingezeichnet werden. Der große Vorteil dieses Tools ist die Möglichkeit die Strukturen sowohl einzeln herausgelöst als auch deren Lage im Organ und im Körper zu betrachten. Dies ermöglicht eine leichtere Transferleistung auf den eigenen Körper. Hier liegt einer der größten Vorteile zu dem Einsatz analoger Modelle und/ oder Abbildungen, da diese, durch ihre Konstruktion bedingt, die möglichen Perspektiven stark einschränken. Dadurch ist ein großer Nutzen für Schülerinnen und Schüler zu erwarten, die Schwächen mit dem Transfer abstrakter Inhalte und/ oder dem räumlichen Denken haben. Die App kostet ca. 28€.

Die BioApp von BioValley College Network (BCN) der Berner Fachhochschule (BFH) ist eine Lernapplikation, die eine eigenständige Wissensabfrage zu Themenbereichen in einem Quizformat ermöglicht. Dabei gibt die App ein direktes Feedback und die Möglichkeit den eigenen Lernfortschritt zu verfolgen. Für Lehrkräfte besteht zudem die Möglichkeit eigene, auf den Unterricht angepasste, Quiz einzustellen. Die Schülerinnen und Schülern können diese über einen Zahlencode abrufen und so selbstbestimmt mit diesem Lernen. Die App ist kostenlos.

Im Ebenen-Modell von Schulz (2018, S. 347) ist der Einsatz der Tools vor allem auf der Ebene der „Lerngruppe“ und der „Lernebene“, also dem „Lernen mit Medien“, zu finden. Im Hinblick auf inklusive Aspekte kann Human Anatomy Atlas dazu genutzt werden, um die Strukturen und Funktionen eines Organs zu veranschaulichen und im eigenen Tempo zu erarbeiten. Die App kann dabei große Problemquellen des traditionellen Unterrichts, wie zum Beispiel das Lesen langer Texte und das Nachvollziehen komplexer Grafiken, umgehen und somit die Schülerzentrierung des Unterrichtes bestärken. Im Unterricht ist sowohl eine kooperative Arbeit als auch die Arbeit alleine mit dem Tool möglich. Mit Hilfe der BioApp kann neu Erlerntes überprüft werden, so dass ein selbstbestimmter Lernprozess angeregt wird. Die App gibt dabei ein sofortiges Feedback und ermöglicht es den eigenen Lernfortschritt zu verfolgen. In der BioApp könnten auch Quiz mit unterschiedlichen Niveaus implementiert werden, wodurch ein individueller Lernfortschritt und Kompetenzerleben ermöglicht werden. Wie oben beschrieben ist jedoch auch ein Nutzen für Schülerinnen und Schüler zu erwarten, die Schwächen im Bereich des räumlichen Denkens und/ oder dem Transfer abstrakter Inhalte haben. Das Ziel des Einsatzes ist vor allem das Ermöglichen von Teilhabe durch einen explorativen, vielfältigen und leichten Zugang zu komplexen Inhalten.

Im Rahmen einer Unterrichtseinheit zum Atmungssystem im NaWi-Unterricht könnten die Tools Human Anatomy Atlas und BioApp zusammen Anwendung finden. Vorstellbar wäre der Einsatz in einer Stunde, in der sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen mit dem Aufbau und der Funktion des Atmungssystems beschäftigen. Das Ziel wäre es, dass der Aufbau und die Funktion des Atmungssystems nachvollzogen, vereinfacht dargestellt und erklärt werden können. Dazu würden Arbeitsbögen mit AR-Elementen zur Verfügung gestellt. Die Aufgabe wäre, wie oben beschrieben, die Strukturen und Funktionen des Atmungssystems mit dem Einsatz von Human Anatomy Atlas zu erkunden und auf den Arbeitsbögen zu ergänzen. BioApp würde im Nachhinein in der Gruppe zur Kontrolle der Ergebnisse und zuhause für das Festigen der Inhalte genutzt. Eine solche Unterrichtsstunde kann sowohl als explorativer Einstieg in das Thema am Anfang der Unterrichtseinheit stehen, als auch im Rahmen einer Wiederholung am Ende dieser.

Da eine solche Unterrichtsstunde Tablets, Human Anatomy Altas und eine gute Interverbindung benötigt, sehe ich aktuell nur an wenigen Schulen in Schleswig-Holstein die Möglichkeit zu einer einfachen und vollständigen Umsetzung. Durch das weitere Voranschreiten der Digitalisierung der Schulen, sollte die Umsetzung jedoch auch in der Fläche, wenn auch mit Einschränkungen, wie dem Ausweichen auf andere/ kostengünstigere Apps, bald möglich sein.

Quellen

Schulz, Lea. (2018) Digitale Medien im Bereich Inklusion. In: Basiswissen Lehrerbildung: Inklusion in Schule und Unterricht. Grundlagen in der Sonderpädagogik. Birgit Lütje-Klose, Thomas Riecke-Baulecke & Rolf Werning (Hrsg.), Klett/Kallmeyer. S. 344-367, Seelze