E-Learning Expertin - Sonderschullehrerin - Studienleiterin

Wiki #DiKlusion

iMovie

ein Beitrag von einem anonymen Autor (Veröffentlichung ist durch den Autor genehmigt, der Autor ist der Webseiteninhaberin bekannt)

Das Tool iMovie ist eine App zur Erstellung und Bearbeitung von Videos. Dabei wird ein geführter Editor genutzt, in welchem sowohl längere Videos, in der App „Filme“ genannt, als auch kurze Videos, sog. Trailer, erstellt werden können. Die App ist IOS-exklusiv, kostenlos und in der Regel für die meiste Apple-Produkten verfügbar bzw. sogar schon vorinstalliert. Die App ist sehr einsteigerfreundlich und lässt sich äußerst leicht bedienen. Für den schulischen Einsatz ist sie daher genau richtig. Für eine Vertiefung im Bereich des Videoschnitts und der Videobearbeitung ist die App nur begrenzt nutzbar, da sie hier nur wenige erweiterte Funktionen bietet. Für den schulischen Rahmen und die Heranführung an die Erstellung und Bearbeitung von Videos ist die App aber wie beschrieben sehr gut geeignet. Auf anderen Plattformen sind kostenlose Programme die einen vergleichbar leichten Zugang bieten kaum zu finden. Unter Windows wäre das etwas komplexere Opensource Bearbeitungsprogramm OpenShot eine Alternative, welches gleichzeitig auch erweiterte Funktionen für fortgeschrittenen Videoschnitt mit mehreren Spuren bietet. Der größte Vorteil von iMovie gegenüber solchen Programmen ist jedoch, dass alle Schritte der Videoerstellung in der App und so mit nur einem Gerät möglich sind. Das heißt, dass vor allem der sonst übliche Datentransfer zwischen einer Kamera und dem PC entfällt. So kann Zeit gespart und direkt mit der Arbeit begonnen werden.

Im Unterricht lässt sich die App sehr vielfältig einsetzen. So können Lehrkräfte selbst einfache Erklär- bzw. Lernvideos erstellen und diese sowohl in den Unterricht einbinden als auch für die Vorbereitung oder Wiederholung zuhause bereitstellen. Der Vorteil ist, dass Schülerinnen und Schüler mit den Videos im eigenen Tempo arbeiten und sie bei Bedarf anhalten sowie zurückspulen können. Für Lehrkräfte bietet sich zudem die Möglichkeit speziell an die Lerngruppe bzw. einzelne Schüler*innen angepasste Erklärungen und Hilfestellungen in den Videos zu geben, die dann jederzeit personenunabhängig abgerufen werden können. So lässt sich zum Beispiel im Rahmen eines Flipped Classrooms (vgl. Werner, et al., 2018, S. 9 ff.) durch die Vorbereitung mit Lernvideos zuhause die Unterrichtszeit sinnvoll für die Vertiefung des Stoffes sowie individuelle Unterstützung nutzen (Ebel, 2018, S. 19-20). Des Weiteren können Videos selbst als kreatives Produkt von den Schülerinnen und Schülern erstellt werden. Dies können entweder auch Erklär- und Lernvideos sein oder Videos in denen Erlerntes angewandt wird. Zweiteres könnten zum Beispiel kleine Filme im Kunstunterricht sein, bei denen der Fokus auf der Anwendung filmischer Mittel und der Videobearbeitung liegt. Im Ebenenmodell von Schulz (2018, S.347) ist eine Beziehung zu jeder Ebene festzustellen. Im Unterricht sind so das Lehren und individuelle Lernen mit Medien als auch in speziellen Fällen das Lernen durch Medien vorhanden. Das Erstellen eines Videos ist in der Regel ein äußerst kollaborativer Prozess. Eine Gruppenarbeit bietet sich hier besonders an, da unterschiedliche Kompetenzen im Verlauf der Erstellung erforderlich sind, um am Ende ein Produkt präsentieren zu können. So bietet sich auch ein breites Feld zur Exploration und dem individuellen Kompetenzerleben in der Gruppe. Um diesen Aspekt zu stärken ist iMovie nicht unbedingt die beste Wahl in meinen Augen, da durch die Arbeit an einem einzelnen Gerät Elemente bzw. Rollen bei der Erstellung eines Videos, wie Kameramann*frau, Schnitt, etc., wegfallen können bzw. von einer einzelnen Person übernommen werden. Hierauf müsste im Unterricht geachtet werden, so dass allen Gruppenmitglieder die Chance geboten wird sich je nach Belieben in allen Bereichen zu erproben.

Eine konkrete Einbindung von iMovie ist im Rahmen des WiPo-Unterrichts in einer Unterrichtseinheit zu Medien sehr gut vorstellbar. In Zeiten von Fake News und der Manipulation von Videos, Bildern und Audio-Aufnahmen sind Kenntnisse im Bereich der Bearbeitung essenziell, um gefälschte Informationen selbst herausfiltern zu können. In einer Unterrichtsstunde, die sich mit den Grundlagen der Erstellung und Bearbeitung von Videos befasst, ließe sich im Sinne des Flipped Classrooms ein Erklärvideo zu iMovie vorab zur Vorbereitung zu Verfügung stellen. Dies hätte den großen Nutzen, dass alle Schülerinnen und Schüler sich bereits mit der App bekannt gemacht haben und direkt in den Dreh erster eigener Videos gestartet werden kann. Dabei könnte die Aufgabe sein einen Sachverhalt in einer Nachrichtensendung mit Ton und Bild so darzustellen, dass eine bestimmte Botschaft vermittelt wird. Das Ziel der Unterrichtsstunde wäre das grundlegende Verständnis der Erstellung von Videos und des Einflusses unterschiedlicher Darstellung von Informationen auf die öffentliche Meinung. Neben der Teilhabe im Unterricht steht hier vor allem die reflektierte Teilhabe am Diskurs von Politik und Gesellschaft im Vordergrund.

Die Umsetzung einer solchen Unterrichtsstunde mit Tablets und iMovie ist aktuell wahrscheinlich nur an wenigen Schulen in Schleswig-Holstein ohne weiteren Aufwand möglich. Das Ausweichen auf Kameras, einen PC-Raum und Programme wie OpenShot sollte jedoch auch in der Fläche möglich sein. Bei einer solchen Umsetzung müssten voraussichtlich kleinere Abstriche bei den Möglichkeiten gemacht werden, die beim Einsatz von Tablets durch deren Mobilität entstehen. Wie beschrieben würde ein Einstieg in andere Programme auch schwieriger sein und müsste somit in die Unterrichtszeit eingeplant werden, wodurch weniger Platz für eine kreative Erarbeitung bleibt.

Quellen

Ebel, C. (2018). Der Flipped Classroom als Impuls für Schul- und Unterrichtsentwicklung. In: Flipped Classroom – Zeit für deinen Unterricht. Praxisbeispiele, Erfahrungen und Handlungsempfehlungen, S. 19-20.

Schulz, Lea. (2018) Digitale Medien im Bereich Inklusion. In: Basiswissen Lehrerbildung: Inklusion in Schule und Unterricht. Grundlagen in der Sonderpädagogik. Birgit Lütje-Klose, Thomas Riecke-Baulecke & Rolf Werning (Hrsg.), Klett/Kallmeyer. S. 344-367, Seelze

Werner, J., Ebel, C., Spannagel, C., & Bayer, S. (2018). Flipped Classroom – Zeit für deinen Unterricht. In: Flipped Classroom Zeit für deinen Unterricht. Praxisbeispiele, Erfahrungen und Handlungsempfehlungen, S. 13-16.

Inklusion

Inklusion wird hier folgendermaßen verstanden…

s. auch:

Inklusion an Schulen in Schleswig-Holstein

Inklusion an Schulen in Schleswig-Holstein

ein Beitrag von einer anonymen Autorin (Studentin der Europa-Universität Flensburg)

Begriffsbeschreibung:

Seit dem Jahr 2009 gelten in Deutschland die Ziele der UN- Behindertenrechtskonvention. Demnach haben alle Personen in Deutschland das Recht auf Inklusion, der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. So haben auch alle Schüler*innen, ungeachtet ihrer Stärken und Schwächen, mit oder ohne Behinderung, das gleiche Recht und die gleichen Chancen auf Bildung (vgl. Textor: 2018: 50). Auch in Schleswig-Holstein werden die unterschiedlichen Bedürfnisse von Schüler*innen innerhalb einer Schulklasse vereint und das Ziel eines gemeinsamen Unterrichts verfolgt. So heißt es in §4 des schleswig-holsteinischen Schulgesetzes: „Zur Erreichung der Bildungs- und Erziehungsziele sind Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen besonders zu unterstützen. Das Ziel einer inklusiven Beschulung steht dabei im Vordergrund.

Im Bundesvergleich lässt sich feststellen, dass die Inklusionsrate in Schleswig- Holstein relativ hoch ist. Der Anteil der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in inklusiven Schulprojekten lag im Schuljahr 2018/19 bei 69,53 Prozent (vgl. Prien 2020).

Die Frage, die sich dabei ergibt, ist: Welche Möglichkeiten gibt es, um das Schulsystem in Schleswig-Holstein noch inklusiver zu gestalten?

Um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler*innen in einem inklusiven Unterricht gerecht zu werden, sollten unterschiedliche Unterrichtsmaterialien, Schwierigkeitsstufen sowie Aufgaben verwendet werden. Im Mittelpunkt steht das personalisierte Lernen. Dabei werden die Lernziele für jede/n einzelne/n Schüler*in bestimmt. Zudem können die Kinder individuelle Wege gehen, um die Lernziele zu erreichen (vgl. Böhmig 2017, S.6).

Übertragung auf den Kontext „Diklusion“

Besonders der Einsatz von digitalen Medien bietet bei der Befolgung dieser Intentionen, Möglichkeiten für eine inklusive Schule. Der Einsatz hat nach dem Ebenenmodell von Schulz (vgl. Modell von Schulz 2018) folgende Intentionen:

  • Auf der Ebene des Individuums für die assistive Unterstützung durch digitale Medien (Lernen durch Medien)
  • Auf der Lernebene zur Individualisierung der Lernprozess (Lernen mit Medien)
  • Auf der Ebene der Lerngruppe bezogen auf das kooperative Lernen im Klassenverband (Lernen mit Medien)
  • Auf der Ebene der Organisation zur Erleichterung der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts und Diagnostik (Lehren mit Medien)
  • Auf der übergreifenden Ebene der Gesellschaft/ Umwelt die Medienerziehung (Lernen über Medien)

Die Intentionen weisen zudem auf, dass sich Medien im Unterricht vielseitig einsetzen lassen und sowohl Differenzierungen als auch eine höhere Individualisierung des Lernens ermöglichen. Digitale Medien bieten somit unterschiedliche „… Zugänge und Möglichkeiten für Kinder mit vielfältigen Lernbedürfnissen.“ (Hänsgen 2017, S. 4) Neben dem Computer können verschiedene digitale Tools auf dem Tablet für individuelles Lernen im Unterricht eingesetzt werden.
Ein Beispiel für individuelles Lernen mit Unterstützung durch digitale Tools ist das adaptive Lernen. Bei dem adaptiven Lernen werden die Lernmaterialien digital angepasst (vgl. Rück 2017, S. 9). An dieser Stelle eignet sich der Einsatz des Tablets, welches individuell für das bestimmte Kind eingerichtet werden kann (vgl. Böhmig 2017, S. 6). Ein weiteres Beispiel für individuelles Lernen mit Unterstützung durch digitale Tools ist das Lernen durch Lehren. Bei der Methode des Lernens durch Lehren halten die Lernenden Vorträge über vorgegebene Themen. Dabei recherchieren sie den Lernstoff in eigenständiger Arbeit und eignen sich diesen selbstständig an. Um die Recherchearbeit zu unterstützen, eignet sich auch hier der Einsatz des Tablets (vgl. Böhmig 2017, S. 7). Insbesondere, da die Schüler*innen Bedienungshilfen wie Vorlesefunktionen, Textvergrößerungen oder die Readerfunktion zum Ausblenden ablenkender Faktoren verwenden und damit Beeinträchtigungen kompensieren können. Diese beiden Beispiele weisen auf, welches Potenzial der Einsatz von digitalen Medien im inklusiven Unterricht hat und welche Möglichkeiten bestehen, die Schulen diklusiv zu gestalten.

Literaturquellen

Annette Textor (2018): Einführung in die Inklusionspädagogik. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt Verlag (2. überarb. und erw. Aufl.).

Johannes Rück (2017). Das Medienkonzept. Vorüberlegungen für den Medieneinsatz in Kita und Schule: In: Digitale Medien im inklusiven Einsatz – barrierefrei kommunizieren. Berlin: tjfbg GmbH

Schulz, Lea (2018). Digitale Medien im Bereich Inklusion. In Birgit Lütje-Klose, Thomas Riecke-Baulecke & Rolf Werning (Hrsg.): Basiswissen Lehrerbildung: Inklusion in Schule und Unterricht. Grundlagen in der Sonderpädagogik. Seelze: Klett/Kallmeyer

Susanne Böhmig (2017). Tablets in der Schule. Welche Rolle spielt Technik im Lernprozess?. In: Digitale Medien im inklusiven Einsatz – barrierefrei kommunizieren. Berlin: tjfbg GmbH

Thomas Hänsgen (2017): In: Digitale Medien im inklusiven Einsatz – barrierefrei kommunizieren. Berlin: tjfbg GmbH

Prien, Karin (2020): Inklusion macht Schule. (Stand: 10.06.2020)

Schleswig-Holsteinisches Schulgesetz (2007). (Stand: 10.06.2020)

Der Beitrag wurde redaktionell überarbeitet von Lea Schulz.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén