Erklärvideos haben einen großen Stellenwert im digital-inklusiven Unterricht, da sie eingebunden in ein didaktisches Konzept, eine innere Differenzierung des Unterrichts mit sich bringen. Sie helfen den Schüler/-innen dabei komplexes Wissen schneller zu erfassen und wichtige Anknüpfungspunkte im Gedächtnis zu schaffen.

Vorteile von Erklärvideos im diklusiven Unterricht

  1. Lerntempo: Die Lernenden können die Videos im eigenen Lerntempo ansehen, anhalten und fortsetzen.
  2. Unabhängigkeit von Raum und Zeit: Die Videos können an allen Orten, ob in der Schule oder zu Hause und zu beliebigen Zeiten angesehen werden.
  3. Wiederholung: Erklärvideos können so häufig wiederholt werden, wie der/die Schüler/-in es benötigt. Auch bestimmte Sequenzen können durch „Zurückspulen“ erneut angesehen werden.
  4. Förderung der Selbstständigkeit: Die Schüler-/innen haben die Möglichkeit bedürfnisorientiert sich die Videos selbstständig zur Hilfe zu nehmen. Dies fördert das selbstbestimmte Lernen.
  5. Emotionale Einbindung: Gerade beim Lernen auf Distanz kann das Hören der Stimme der Lehrkraft eine emotionale Anbindung bieten.
  6. Visualisierung auf mehreren Ebenen: Einige Vorgänge lassen sich in Echtzeit oder in normaler Ansicht nicht gut erfassen. In Videos kann durch einen Zeitraffer oder Slow-Motion ein Vorgang langsamer angezeigt und damit besser visualisiert werden.

Lernen mit Erklärvideos

Essentiell ist es, dass die Schüler*innen lernen, mit Erklärvideos umzugehen. Gerade Schüler*innen mit einem Förderbedarf im Bereich Lernen benötigen eine strukturelle Unterstützung, wie sie mit Erklärvideos umgehen können, um zu lernen. Hierfür benötigen sie eine Einführung und verschiedene Hilfestellungen bei der Arbeit mit Erklärvideos. Ein Beispiel, dass dann für das jeweilige Kind und/oder die jeweilige Klassenstufen angepasst werden müsste, steht hier zum Download und zur Weitergabe zur Verfügung.

Wie produziere ich ein Erklärvideo?

Im Folgenden werden drei Beispiele für ein schnell produziertes Erklärvideo beschrieben.

1.    Lege-Technik

Bei der Lege-Technik können Bilder und Piktogramme selbst gezeichnet oder einfach ausgedruckt werden. Diese werden dann zugeschnitten und bei einer einfachen Video-Aufnahme durch ein Mobiltelefon oder ein Tablet passend zum Sprechertext auf eine Oberfläche gelegt.

Technische Voraussetzungen: Mobiltelefon oder Tablet, ggf. Drucker (es ist keine spezielle App erforderlich)

Folgendes Video erklärt die Umsetzung eines einfachen Lege-Technik-Films:

Produktion eines einfachen Erklärvideos mit der Legetechnik

Die Lege-Technik kann mit der Weile auch durch Software geleistet werden. Die Webseite „mysimpleshow“ stellt Schulen einen kostenfreien Zugang zur Software zur Verfügung. Ihr findet den kostenfreien Zugang unter Preise und dort unter dem Bereich „Education“.

Hier ist eine Erklärung für die Umsetzung von Erklärvideos mit mysimpleshow zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=lU0GMZkxpcY
Produktion eines Erklärvideos mit mysimpleshow

2.    Folientechnik mit Powerpoint

Es wird eine klassische Powerpoint im Folienformat erstellt. Im Anschluss wird die Powerpoint mit einem Sprechertext belegt und als Video gespeichert. Dafür wird unter dem Reiter „Bildschirmpräsentation“ auf „Bildschirmpräsentation aufzeichnen“ geklickt.

Technische Voraussetzungen: ein Computer mit Mikrofon, Powerpoint ab der Version Office 2013

Folgendes Video zeigt die Verwendung der Bildschirmaufnahme in Powerpoint:

Produktion eines einfachen Erklärvideos mit Powerpoint

Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von Microsoft Office zu finden.

3.    Folientechnik mit Adobe Spark Video

Adobe Spark Video ist ein kostenfreies Programm, dass über den Browser (z.B. edge oder google chrome) oder als App für iOS zur Verfügung steht. Hiermit können verschiedene Fotos, Videos, Symbole oder Text miteinander verbunden werden.

Technische Voraussetzungen: entweder ein Computer im Browser mit Internetzugang oder iPhone/iPad mit der App Adobe Spark Video

Folgendes Video führt in die Nutzung von Adobe Spark in die Schule ein:

Produktion eines Erklärvideos mit Adobe Spark

Eine Auswahl von Erklärvideo-Arten

Eine Übersicht einiger Arten von Erklärvideos ist hier anschaulich dargestellt.

10 Arten von Erklärvideos

Es gibt eine Fülle verschiedener Arten von Erklärvideos:

  • Legetechnik: Es werden Bilder und/oder Wörter gedruckt und ausgeschnitten. Der Sprecher erklärt dann während des Legens der Bilder/Wörter die Inhalte.
  • Video-Tutorial: Bei Video-Tutorials wird üblicherweise eine Handlung aufgenommen und von der Sprecherstimme kommentiert. (Bsp. zum Thema „Schleife binden“)
  • Interview: Das Erklärvideo kann in einer Interview-Technik verwendet werden. Hierfür ist ein Experte im Bild zu sehen und eine weitere Person (entweder aus dem Off oder ebenfalls im Bild zu sehen) stellt dieser Person Fragen.
  • Talking-Head: Bei diesem Format ist ein kleiner Ausschnitt der sprechenden Person im Video zu sehen. So können bspw. die Folien erklärt werden, gleichzeitig ist die Lehrkraft in Bezug auf Mimik und Gestik z.B. unten rechts im Bild zu sehen.
  • Vlogging-Stil: Vlogging bedeutet Blogging im Videoformat. Im Bild ist ein Moderator zu sehen, der etwas berichtet oder erklärt. Dies kann auch mit der Green-Screen-Technik verbunden werden. (Bsp. zum Thema Mikroplastik)
  • Green-Screen: Mit dem Green-Screen kann vor einer farbigen (meist grünen oder blauen) Wand ein Video produziert werden. Der grüne Hintergrund kann dann durch etwaige Videos oder Fotos im Hintergrund ersetzt werden. Diese Technik wird bspw. bei der Nachrichtenproduktion oder für den Wetterbericht verwendet. (Bsp. für den Einsatz in der Grundschule)
  • Stop-Motion: Mit der Stop-Motion-Technik werden viele verschiedene Fotos aneinandergereiht. Daraus entsteht dann eine Animation. Diese Technik kann auch für Erklärvideos verwendet werden. (Unterrichtsbeispiel zum Thema Mitose)
  • Screen-Cast: Mit dem Screen-Cast wird dein Bildschirm und die Bewegungen darauf aufgenommen. Dies wird häufig verwendet, um eine App oder ein Computerprogramm genauer zu erklären.
  • Whiteboard: Es gibt verschiedene Apps, die sich wie ein Whiteboard nutzen lassen. Darauf können dann bspw. Rechenwege geschrieben und gleichzeitig erklärt werden. Ein prominentes Programm ist bspw. Explain Everything (Erklärvideo zur Erstellung eines Videos).

Weiterführende Hinweise zur Erstellung von Erklärvideos

  • Länge: Die Videos sollten besonders in unteren Jahrgängen nicht zu lang sein. Es besteht die Gefahr, dass die Schüler/-innen innerlich abschalten. Zwei bis drei Minuten sind häufig ausreichend. Videos unter 6 Minuten sind für die Motivaion der Lernenden zuträglich.
  • Schriftsprache ergänzen: Es ist sinnvoll Worte und Bilder zusätzlich mit geschriebenen Wörtern zu kombinieren, da dadurch eine tiefere Verarbeitung gewährleistet werden kann (Mayer 2009, S. 200ff.). Hierbei ist jedoch zu beachten, dass diese schriftlichen Informationen kurz gehalten werden und sich auf einzelne Wörter beschränken sollen.
  • Weiteres Lernmaterial anbieten: Zum Erklärvideo sollten gleichzeitig Übungen angeboten werden, sodass die Schüler in zeitlicher Nähe die Inhalte aus dem Erklärvideo anwenden und bearbeiten können. (Mayer 2009, S. 135) Besonders effektiv ist eine Unterbrechung der Videos durch kleine Tests z.B. mit learningapps oder h5p.
  • Unwichtiges Weglassen: Irrelevante Wörter, Klänge, Symbole, Bilder usw. sollten weggelassen werden, damit die Schüler/-innen sich auf das Wesentliche fokussieren können.
  • Persönliche Ansprache: Eine persönliche Ansprache der Lernenden regt kognitive Prozesse durch die persönliche Kommunikation an.  Beispiele: „Hier siehst du, wie das Eichhörnchen seine Nahrung sucht.“ oder „In diesem Video lernst du, wie du schriftlich addierst.“
  • Einteilung in Sinneinheiten: Es ist sinnvoll die Lerneinheiten in viele kleine Einheiten zu segmentieren zu den mehrere Erklärvideos erstellt werden. Auch innerhalb eines Erklärvideos ist es gut in Abschnitte zu unterteilen (z.B. durch Zahlen- oder Buchstaben-Nummerierungen dargestellt).
  • Hervorhebungen: Zur Lenkung der Aufmerksamkeit der Lernenden ist es sinnvoll, mit sprachlichen wie visuellen Hervorhebungen zu arbeiten. Sprachlich können dies Inhaltsübersichten am Anfang („Heute lernen wir etwas über…“), Betonungen durch die Stimme oder Nummerierungen („erstens“, „zweitens“, …) sein, visuell kann es sich um Einkreisungen, Pfeile oder farbliche Abgrenzungen handeln.
  • Einblendung des Sprechers: Besonders in Erklärvideos im Folienformat (z.B. Powerpoint) erhöht es die Motivation der Lernenden, wenn an bestimmten Stellen der Sprecher (durch Einblendung des Kopfes) zu sehen ist.
  • Persönlicher Stil: Erklärvideos wirken motivierender, wenn der Text frei gesprochen wird und handschriftliche Wörter anstatt vom Computer geschriebene Wörter verwendet werden.
  • Bild-Ton-Schere vermeiden: Es sollte möglichst immer das beschrieben werden, was auch im Bild zu sehen ist.

(vgl. Marquardt 2016)

Quellen:

Mayer, R. E. (2009): Multimedia Learning (2. Aufl.). New York, NY: Cambridge Univ. Press

Marquardt, K. (2016). Beurteilungsraster für Mathematik-Erklärvideos: Chancen, Grenzen und Durchführung einer Operationalisierung mittels Resultaten aus der Schulbuchforschung. Letzter Abruf: 03.04.2020.