Diklusions-Expertin - Sonderschullehrerin - Studienleiterin

Autor: Dr. Lea Schulz Seite 1 von 2

Diklusive Schulentwicklung

Erfahrungen und Erkenntnisse der digital-inklusiven Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenausbildung in Schleswig-Holstein

Mein neuer Beitrag zur diklusiven Schulentwicklung ist in der Zeitschrift MedienPädagogik erschienen.

Dies steht im Abstract:

Der aktuelle wissenschaftliche Diskurs zur Schulentwicklung fokussiert vorrangig die Entwicklung von digitalen Ansätzen zum Lehren und Lernen. Im Kontext heterogener Lerngruppen und der gesellschaftlichen Verpflichtung inklusiver Lernangebote stellt sich eine parallele Entwicklung eines digitalen und inklusiven Ansatzes in der schulischen Praxis als ein umfassender innovativer Impuls dar. Aus den beiden Bereichen heraus entstehen einerseits Synergieeffekte und andererseits führen sie zur Partizipation aller Schülerinnen und Schüler an der digitalen Gesellschaft. In Schleswig-Holstein wurde dafür eine Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenausbildung etabliert, die diklusive (digital-inklusive) Vorgehensweisen initiiert und langfristig in inklusiven Settings an Schulen verbreitet. In der Konklusion der Anforderungen aus medienpädagogischer sowie inklusiver Perspekti-ve an einen zeitgemässen Unterricht lässt sich das Modell für diklusive Kompetenzen von Lehrkräften abbilden.“ (Schulz 2021, S. 32).

Ergänzend zu sagen, ist dass die Pandemie die Bedeutung nochmals herausgestellt hat, dass Medienentwicklungsplanung und Inklusion von Vornherein strukturell gemeinsam gedacht werden sollten. Die Chancen digitaler Medien zur Erhöhung der Teilhabe an Bildung sind enorm – doch ist gleichzeitig zu verzeichnen, dass durch digitale Medien eine Form von Exklusion entstehen kann. Besonders während des Distanzunterrichts war vielerorts ein Rückfall in lehrerzentrierte Unterrichtsmethoden zu erkennen, die uns wegführen von ersten konstruktivistischen Ansätzen sowie der Individualisierung und Differenzierung auf dem Weg zu einem diklusiven Unterricht für alle Schüler*innen.

Literatur

«Diklusive Schulentwicklung. Erfahrungen und Erkenntnisse der digital-inklusiven Multiplikatorinnen- und Multipli-katorenausbildung in Schleswig-Holstein». MedienPädagogik 41, (Inklusive digitale Bildung), 32–54. https://doi.org /10.21240/mpaed/41/2021.02.03.X. ISSN 1424-3636

Umfrage zu Kinderwebseiten im Unterricht

Es gibt mehrere hunderte speziell für Kinder aufbereitete Webseiten, die wundervolle Inhalte erarbeitet haben. Meine Frage als Aus- und Fortbildnerin an euch ist: Warum spielen diese Seiten in Schule derzeit häufig eine kleine Rolle? Was bräuchtet ihr, damit ihr Webseiten häufiger im Unterricht einsetzen könntet?

Was kann ggf. durch die Kinderwebseiten-Betreiber verändert werden, damit ihr das Angebot besser verwenden könnt?

Aus der Initiative #netzkinder heraus wollen wir herausfinden, wie Kinderwebseiten in Schule eingesetzt werden können. Was brauchst du als Lehrkraft? Was ist dir bei einer Kinderwebseite wichtig? Nehmt an der kurzen Umfrage teil und teilt sie gerne!

Die Ergebnisse der Umfrage werden selbstverständlich ebenfalls hier veröffentlicht. Außerdem werden wir sie innerhalb der Arbeitsgruppe besprechen und Erkenntnisse für Webseitenbetreiber zusammenstellen.

Besonders die Nutzung von bereits vorhandenen Inhalten hilft uns Lehrkräften, uns auf die Möglichkeiten der Differenzierung und Individualisierung vorzubereiten, es verschafft uns mehr Zeit, wenn wir nicht alle Inhalte unserer Unterrichtsstunden neu erfinden müssen. Auch Kinderwebseiten könnten hier gute Zulieferer sein. Kindersuchmaschinen wie fragfinn oder Blinde Kuh sind bereits vielen Lehrkräften bekannt. Aber kennt ihr schon Jippie und wusstet ihr, dass sie Inhalte in leichter Sprache anbieten? Oder wusstet ihr schon, dass viele öffentlich-rechtliche Sender auch explizit Inhalte für Kinder und Schulen zusammenstellen (z.B. BR Kids)?

Wir wollen dies besser verstehen und haben uns in einer kleinen offenen Interessensgruppe zusammengetan, um diesen Fragen in der Lehrkräftefortbildung aber auch auf Seiten der Webseitenbetreiber nachzugehen und Abhilfe zu schaffen. Was fehlt zur Integration in einen guten Unterricht? Wir freuen uns auf eure Mithilfe!

Tipps zu Kinderwebseiten

Hier findet ihr eine Zusammenstellung von Kinderwebseiten von Seitenstark:

Konferenz Bildung Digitalisierung #KonfBD20

Im Rahmen der Konferenz Bildung Digitalisierung 2020 des Forum Bildung Digitalisierung durfte ich auf die Einladung von Jacob Chammon hin das Thema Diklusion im Rahmen eines Live-Podcasts von Jenny Dreier und Felix Felix Schubert darstellen. Der Podcasts wird in der Reihe Tabula Rasa erscheinen und ist bei Spotify und Apple Podcast abrufbar.

Café Moskau – live Podcast mit Tabula Rasa und Lea Schulz

Wichtige Aussagen in Kürze zusammengefasst:

  • Inklusionskinder gibt es nicht!
  • Jedes Kind bekommt das, was es braucht, um an Bildung teilzuhaben, um sich persönlich auf der Stufe der nächsten Entwicklung entwickeln zu dürfen.
  • Der Neologismus „Diklusion“ wurde von mir entwickelt, um ihn wieder abzuschaffen – Ziel ist es, dass digitale Medien und Inklusion zur Selbstverständlichkeit an Schulen werden.
  • Es kann keine „Grenzen“ von Inklusion geben. Inklusion ist eine Lebenseinstellung.
  • Kinder werden durch die Umstände, durch die Gesellschaft und das System „behindert„.
  • Ein diklusiver Unterricht bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Kollaboration.
  • Digitale Medien können für einige Schüler*innen Unterricht überhaupt möglich machen (Krankheit, psychische Probleme, Autismus, …).
  • Eine diklusive Schule für alle
  • Medenbildung ist notwendig zur Teilhabe an der Gesellschaft – von Kindesbeinen an! (ab der Kita!)
  • Eine digital-inklusive Haltung der Lehrkräfte muss ausgebildet werden, auch auf der Grundlage ihrer eigenen Biografie.
  • Corona gilt als Motor der Digitalisierung, aber auch als Hilfe, Lücken und Probleme in Bezug auf benachteiligte Kinder aufzuzeigen.
  • Individualisierung bedeutet auch Diagnostik und die Passung von Unterrichtsinhalten an die Kompetenzen der Schüler*innen für einen passgenauen Unterricht.
  • Diklusion ist auch außerhalb der Schule notwendig. Das Internet öffnet dafür neue Bildungsräume, die vorher eine Zugangsbeschränkung unterlagen (z.B. Universitäten).

Und hier meine sinngemäße Antwort zu den drei Abschlussfragen der beiden Moderatoren:

  1. Mit wem würdest du gerne mal über Bildung diskutieren? Und was würdest du diese Person fragen?

Ich möchte mit Jörg Dräger diskutieren. Im Jahr 2012 gab es eine Expertenrunde Vorstand Bertelsmann Stiftung (damals war ich noch Beraterin bei bettermarks). Er präsentierte eine Zusammenstellung von digitalen Errungenschaften in anderen Ländern, die er selbst bereist hatte – WARUM haben wir davon nicht gelernt? Warum ist davon nichts umgesetzt worden? Wie schaffen wir es, dass Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und der Bildungsbereich gemeinsam an einen Tisch kommen?

2. Was möchtest du in deinem Leben noch lernen?

Ich möchte gerne programmieren lernen. Ich habe so viele Ideen – und kann sie nicht umsetzen. Und ich möchte ein noch besseres Verständnis für das Digitale dadruch entwickeln!

3. Wir wollen mit unseren Gästen einen optimalen, zukunftsfähigen Stundenplan erstellen – wenn du also ein Schulfach einführen könntest in diesen Stundenplan, welches wäre es?

Da muss ich leider passen. Meines Erachtens gibt es keine Fächer. Ich würde in Projekten, fächerübergreifend lernen mit gewissen Eigenlernzeiten – kompetenzorientiert. Eine bedeutsame, vorbereitete und analog-digitale Lernumgebung ist notwendig.

Workshop „#Diklusion – der Weg zu einer digital-inklusiven Schule“

Im Anschluss habe ich eine 90-minütigen Session durchgeführt, die sich rund um die diklusive Schule, die diklusiven Kompetenzen von Lehrkräften und einer Kultur der Diklusivität drehte. Wie muss sich Schule diklusiv wandeln? Welche Kompetenzen brauchen unsere Lehrkräfte dafür und was sind Beispiele für Szenarien eines guten diklusiven Unterrichts.

Workshop #Diklusion bei der Konferenz Bildung-Digitalisierung

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Lea Schulz: kontakt@leaschulz.com

Kultur der Diklusivität

Schulmedientage in Niedersachsen – eine Einführung in das Thema #Diklusion

Bei den Schulmedientagen habe ich eine Einführung anhand eines Vortrags zum Thema #Diklusion erstellt. In einem Schnelldurchlauf wurden einige Aspekte der „9 Aspekte für einen guten diklusiven Unterricht“ mit Leben gefüllt.

9 Aspekte eines diklusiven Unterrichts
Neun Aspekte eines diklusiven Unterrichts – nach Schulz und Beckermann 2020

Fazit des Vortrags war, dass eine diklusive Schule abhängig ist von einer veränderten Kultur in Schule, einem veränderten Umgang mit Diversität und Vielfalt sowie in der Verwendung digitaler Medien in inklusiven Kontexten. Die Haltung von Lehrkräften, die Offenheit von Schule und System sowie die veränderte Lernkultur eröffnen eine Kultur der Diklusivität. Der Vortrag ist mit Praxisbeispielen aus den jeweiligen Bereichen gespickt.

Literatur

Schulz, L. & Beckermann, T. (2020). Inklusive Medienbildung in der Schule. Neun Aspekte eines guten diklusiven Unterrichts. Computer und Unterricht (117), 4-8.

Schulz, L. (2018). Digitale Medien im Bereich Inklusion. In Lütje-Klose, B., Riecke-Baulecke, T. & Werning, R. (Hrsg.): Basiswissen Lehrerbildung: Inklusion in Schule und Unterricht, Grundlagen in der Sonderpädagogik (S.344–367). Seelze: Klett/Kallmeyer.

Schulz, L. (2020a i. Vorb.). Diklusive Schulentwicklung. Erfahrungen und Erkenntnisse der digital-inklusiven Multiplikatorenausbildung in Schleswig-Holstein. Eingereicht an H. Schaumburg und C. Filk für das Themenheft „Inklusiv-mediale Bildung in schulischen Kontexten – eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme“. Unveröffentlichtes Manuskript für die Zeitschrift Medienpädagogik.

Schulz, L. (2020b). Experteninterviews mit 11 Medienbeauftragten von Förderzentren in Schleswig-Holstein. (unveröffentlichte Transkription)

Bosse, I. (2019). Digitalisierung und Inklusion. Schule inklusiv 4, S.4–9.

Bosse, I., Schluchter, J.-R. & Zorn, I. (2019). Handbuch Inklusion und Medien- bildung. Weinheim: Beltz Juventa.

Bildungsbe(nach)teiligung durch den Einsatz digitaler Medien

Im Interview mit Aladin El Mafaalani wurden die digitalen Medien und unsere aktuelle Schullandschaft von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Hier geht es zum Interview für den Verband der Sonderpädagogik in Schleswig-Holstein.

Einige Erkenntnisse:

  • Familie und das soziale Umfeld der Schüler*innen sind wesentlich für den Erfolg in der Schule verantwortlich.
  • Deutschland ist gar nicht so schlecht dran – kann aber noch viel besser.
  • Deutschland hat bei bildungsbenachteiligten Kindern noch ein Potenzial an Talenten und Exzellenz zu entdecken, das derzeit nicht ausgeschöpft wird.
  • Digitale Medien können eine Benachteiligung verhindern (insbesondere adaptive Medien und vor allem Medien im Verwaltungsbereich und in der strukturellen Umgebung von Schule).
  • Multiprofessionelle Teams an Schulen könnten der Schlüssel sein!
  • und vieles mehr 🙂 – schaut doch mal rein!

Bildquelle: AkrimFAladin El-Mafaalani, ausgeschnitten von Lea Schulz, CC BY-SA 4.0

DUDEN’s Learnattack

Ein Beitrag von Anna-Sofia Zimmermann (Studierende an der Europa-Universität Flensburg)

Das Tool „Learnattack“ ist ein Online-Tool des Anbieters „DUDEN“. Es bietet professionelle Lernhilfe für 9 verschiedene Fächer: Mathematik, Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Französisch, Geschichte, Latein und Physik. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler von der 4. Klasse bis zum Abitur.

Kosten

Nach der Anmeldung erhält der Lernende ein individuell personalisiertes Lernprofil, mit allen Aktivitäten, Lernfortschritten und Erfolgen, sowie Hilfen für den weiteren Lernweg. Vor der kostenpflichtigen Registrierung steht eine 48h-Testversion zur Verfügung. Bei der Registrierung stehen verschiedenen Abonnements zur Verfügung: Alle Abonnements sind in der Vertragslaufzeit variierbar, wobei auch die Preise variieren. So ist das Premium Abonnement mit einer 24-monatigen Vertragslaufzeit für 9,88€ monatlich erhältlich und beinhaltet alle 9 Fächer ab der 4. Klasse mit über 40.000 Lernvideos und Übungen, sowie Original-Klassenarbeiten, Lernpakten zu jedem Schulthema und einen Schülerbereich mit Lernvorschlägen. Im Premium-Plus Abonnement kommt ein Elternbereich mit Lernstatistiken, sowie eine Hausaufgabenhilfe per WhatsApp und ein Vokabeltrainer von phase6. Dieses Abonnement kostet für eine 24-monatige Vertragslaufzeit 12,80€.Ein exklusives PremiumPlus Abonnement inklusive Studienkreis liegt bei monatlich 97,38€ und beinhaltet Einzelunterricht per Skype durch den Studienkreis (45 Minuten pro Woche).

Inhalte von Learnattack

Ziel des Tools ist es nun Wissenslücken zu schließen, sowie durch die effektive und flexible Gestaltung der Lernphasen mehr Lernmotivation zu schaffen und gleichzeitig mit Spaß Noten zu verbessern. Im Lernprozess stehen dem Lernenden nun etliche Lern- bzw. Erklärvideos zur Verfügung, welche komplexe Themen per Schritt-für-Schritt-Anleitung leicht und verständlich erklären. Durch die Möglichkeit der Wiederholung kann sich die bzw. der Lernende durch diese Videos auf Klassenarbeiten und Prüfungen vorbereiten.

Zusätzlich stehen viele interaktive Übungen zur Verfügung, um Gelerntes zu festigen. Unter diesen Übungen finden sich etliche Klassenarbeiten und Tests mit Lösungen für alle Klassenstufen ab der 4. Klasse, die heruntergeladen und ausgedruckt oder online bearbeitet werden können.

Für die eigene Recherche stehen etliche Lexikon-Artikel im Schülerlexikon zur Verfügung, die Fragen zu allen Fächern beantworten und Fachbegriffe zu diesen erklären. Über Hyperlinks kann man hier nun auch direkt zu zugehörigen weiterführenden Erklärungen, Videos und allen möglichen Übungen gelangen.

Schüler-Journal und Eltern-Magazin

Eine weitere Hilfe bietet das Schüler-Journal. Hier schreiben Schülerinnen und Schüler für andere Schülerinnen und Schüler. So können hier bspw. Zusammenfassungen über Bücher etc. gefunden werden. Auch finden sich hier weiterführende Informationen in einer schnellen Recherche-Möglichkeit. Informationen finden sich hier auch zu Methoden, Zukunftsplanung, Lern-Tipps und vielem mehr.

Das Eltern-Magazin biete viele Hilfen für Eltern und klärt bspw. etliche Fragen rund um das Thema Homeschooling während der Corona-Krise. Es finden sich aber auch Hilfen in den Bereichen Schul- und Familienalltag, Erziehung und Entwicklung, Medien und lernen, Jugend und Gesellschaft, sowie Freizeit und Tipps. Jedoch wirken das Eltern Magazin und das Schüler Journal sehr überfüllt und dadurch unübersichtlich.

Online-Nachhilfe

Sollten diese Hilfen dem oder der Lernenden noch nicht ausreichend geholfen haben, steht noch eine Online-Nachhilfe über WhatsApp zur Verfügung. Diese ist für alle PremiumPlus- Kunden im Tarif inklusive und wird von professionellen Nachhilfelehrkräften betreut, die individuell auf die Fragen der Lernenden reagieren können. Alle PremiumPlus-Kunden können hier montags bis freitags von 14Uhr bis 19Uhr kostenlos unter einer bestimmten Nummer die WhatsApp-Nachhilfe mit einer konkreten Frage kontaktieren. Nach kurzer Wartezeit hilft ein Experte des jeweiligen Faches weiter, ohne direkt Lösungen zu verraten. Zur Verfügung stehen hier jedoch lediglich die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch. Testbar ist die WhatsApp-Nachhilfe innerhalb der 48h Testversion für lediglich 30Minuten.

Qualität

Generell sind alle Lerninhalte durch die Suchleiste leicht zu finden. So wird der bzw. die Lernende schnell zu passenden Lernvideos, Übungen und Klassenarbeiten geführt. Der Lernstoff ist hier in kleinere Portionen aufgeteilt und baut auf bereits vorher Gelerntes auf, indem stets gesagt wird, was die Basis für den neuen Lernstoff darstellt.

Das Tool „Learnattack“ beruft sich auf eine hohe „DUDEN“-Qualität, indem die hohen Standards von DUDEN und Cornelsen bei der Erstellung der Videos und Übungen angesetzt werden. Zusätzlich werden alle Lernwege didaktisch geprüft.

Learnattack im Unterricht

Im Unterricht ist „Learnattack“ vielfältig einsetzbar. Gerade in Zeiten der Corona-Krise macht Learnattack das Lernen im Homeschooling einfacher. „Learnattack“ bildet zudem eine ideale Ergänzung zum regulären Schulunterricht und kann den Lernenden bei der Vor- und Nachbereitung des Lernstoffes helfen.

So kann die Lehrkraft für die Klasse Lernpakete zusammenstellen und per E-Mail oder per Messenger an die Lernenden verschicken. Auch behält die Lehrkraft durch den Lehreraccount einen Überblick über die Leistungen und Aktivitäten der Lernenden.
Dies ist auch außerhalb des Corona-Homeschooling eine sinnvolle Unterrichtsergänzung. So kann die Hausaufgabenarbeit ganz einfach über das Tool erledigt und von der Lehrkraft direkt kontrolliert werden.

Aber auch zur Vorbereitung eines Referates oder für Gruppenarbeiten kann das Tool unkompliziert im Unterricht eingesetzt werden. Mit den verschiedenen Lernwegen kann sich eine Schülergruppe leicht in ein Thema einarbeiten und dieses der Klasse im Anschluss vorstellen.

Diklusion

Im Kontext „Diklusion“ ist das Tool „Learnattack“ bspw. zur Differenzierung und Individualisierung einsetzbar. Mithilfe differenzierter Lernpläne kann die Lehrkraft so auf die individuellen Bedürfnisse und Wissenslücken der einzelnen Individuen eingehen, um sie so differenziert zu fordern und zu fördern.

So wird stets Vorwissen aktiviert, bevor der neue Lernweg bestritten wird, um so individuelle Wissenslücken zu schließen und das individuelle Verstehen differenziert zu fördern. Allerdings bleibt fraglich, wie die einzelnen Lernwege auf dem individuellen Lernweg bei aufkommenden Lernschwierigkeiten noch differenziert und angepasst werden können.

Ein großer Vorteil des Tools besteht in der Wiederholungsmöglichkeit der Lerninhalte und der Kombination von verschiedenen Medien, in Form von Sprache und Bild in den Lernvideos (Hinweis der Seiteninhalberin: Hierfür sollte speziell im Unterricht der Umgang mit Erklärvideos thematisiert werden.). Auch bietet das Tool zentrale Inhalte und überlässt die Lernenden somit nicht der enormen Informationsflut des Internets. Trotzdem scheinen alle relevanten Informationen bis zum Abitur gebündelt enthalten zu sein.

Auch bilden die Schritt-für-Schritt-Anleitungen der Lernwege eine gute Orientierung, um in einer strukturierten Ordnung die Lerninhalte anzueignen und für eine gewisse Routine zu sorgen. Doch besteht auch hier weiter die Frage, inwiefern diese Lernwege auf dem bereits begonnen Lernweg individuell differenziert und angepasst werden können. Die Lernwege geben dem Schüler bzw. der Schülerin genaue Angaben zum Schwierigkeitslevel und versuchen dieses langsam, jedoch stetig zu erhöhen, um für zielgerechtes Üben und praktische Wissensanwendung zu sorgen. Zusätzlich erhalten die Lernenden direktes Feedback, welches ihnen begründet warum etwas richtig oder falsch ist und Empfehlungen für den weiteren Lernweg gibt.

Einordnung in das Ebenenmodell einer diklusiven Schule

Digitale Medien in der inklusiven Schule ermöglichen Teilhabe in allen heterogen Lerngruppen und ermöglichen ein passgenaueres Unterrichten (vgl. Schulz 2018: 350). Im Ebenenmodell (nach Schulz 2018: 344-367) ist das Tool Learnattack auf der Stufe des „Lernen mit Medien“ zwischen Stufe 2 (Lernebene) und Stufe 3 (Lerngruppe) anzuordnen (vgl. ebd.: 347ff.)

Die Stufe der Lernebene beschreibt hierbei die Individualisierung von Lernprozessen (vgl. ebd.: 350f.). Die Schülerinnen und Schüler lernen an sie angepasste Inhalte individuell in der Zone ihrer nächsten Entwicklung (vgl. ebd.: 352). So kann im Unterricht für Differenzierung und einen selbstgesteuerten Lernprozess gesorgt werden (vgl. ebd.: 351; 357). Ebenso wie das Tool „Learnattack“ enthalten viele der in dieser Stufe des Ebenenmodells befindlichen Tools bereits Inhalte und bilden sog. Adaptive-Lern-Systeme (vgl. ebd.: 357). Es handelt sich um Tools, die den Lernenden direkte Instruktion, Übungen, Videos etc. und direktes Feedback vermitteln (vgl. ebd.: 351f.) Auch passen sich diese Tools teilweise an die Lernenden an, erkennen Stärken und Schwächen und bietet Förderangebote. Jedoch sind sie, wie auch „Learnattack“ nicht immer kostenfrei und können wie hier sehr hohe Kosten umfassen.

In der Stufe der Lerngruppe werden Medien als Werkzeug eingesetzt zur Kooperation oder zur Kollaboration (vgl. ebd.: 354). Lernen geschieht hier gemeinsam auf gruppenbezogener Ebene (vgl. ebd.: 347). Das Tool „Learnattack“ bietet auf dieser Ebene Möglichkeiten zur gemeinsamen Einarbeitung in ein Thema, bspw. als Referatsvorbereitung.

„Learnattack“ passt sich an den Lernrhythmus und die Lerngeschwindigkeit der Lernenden an und geht somit auf die individuellen Bedürfnisse des Individuums ein (vgl. ebd.: 350). „Das Lernen mit Medien bietet eine Chance, diese Form der Adaptivität zu leisten, um selbstgesteuertes und unabhängiges tägliches Lernen in der Schule zu ermöglichen“ (ebd.)

So bietet das Tool „Learnattack“ einige Bereicherungen für einen heterogenen Unterricht. Dadurch das an den individuellen Lernbedürfnisse des einzelnen Lernenden angesetzt wird, kann jeder Schüler und jede Schülerin an seinen ganz individuellen Wissenslücken arbeiten und so individuell dafür sorgen, die Noten zu verbessern und im Unterricht den Anschluss nicht zu verlieren. Jedoch bleibt fragwürdig, ob das Tool für ein Kind mit Beeinträchtigungen zum gleichen Ziel führt, wie für ein Kind ohne solch eine Beeinträchtigung. Da es sich bei dem Tool lediglich um ein „Nachhilfe-Tool“, aber nicht um ein assistives Medium handelt, muss bezweifelt werden, dass es sich auch tatsächlich für einen diklusiven Unterricht eignet. Fest steht jedoch, dass das Tool „Learnattack“ eine Bereicherung für jenen Unterricht sein kann, der alle Lernenden mitnehmen und auf ihren individuellen Bedürfnissen fördern möchte.

Literatur

Schulz, L. (2018): Digitale Medien im Bereich Inklusion. In: Birgit Lütje-Klose, Thmoas Riecke-Baulecke & Rolf Werning (Hrsg.): Basiswissen Lehrerbildung: Inklusion in Schule und Unterricht. Grundlagen in der Sonderpädagogik. Seelze: Klett/Kallmexer. S.344-367.

Redaktionell überarbeitet (Links, Überschriften) durch Dr. Lea Schulz

Anmerkung von Dr. Lea Schulz: Alleine die hohen Kosten des Tools sind wenig inklusiv, wenn sie von den Eltern getragen werden sollen, da die Schülerinnen und Schüler aus armen Haushalten sich ggf. diese Form der Unterstützung nicht leisten können. Ein weiterer Nachteil ist, dass dieses System mehr ein Pflaster für das erkrankte Schulsystem ist, es fördert keine kreativen innovativen neuen Lernprozesse, sondern unterstütz die Schülerinnen und Schüler darin im „veralteten“ Schulsystem zu überleben. Dennoch gibt es sicherlich Lernszenarien, die einen Einsatz eines so umfassenden Lernsystems rechtfertigen, insbesondere wenn es um kurzfristige Erfolge und weniger um die Revolution des Bildungssystems geht.

Sprechblase

Aladin El-Mafaalani und ich beim Community-Call am Digitaltag!

Digitale Schulentwicklung – Katalysator für Bildungsgerechtigkeit

Ihr habt die Diskussionsrunde verpasst? Hört euch hier noch einmal an, wie Jacob Chammon (Forum Bildung Digitalisierung), Aladin El-Mafaalani (Universität Osnabrück) und ich über die Chancengerechtigkeit in der Bildung unter dem Aspekt der Digitalisierung besprochen haben. Vom Roboter, der habitusneutral unterrichtet, über multiprofessionelle Teams bis hin zu Chancen digitaler Medien in Schulen für die Inklusion – von allem etwas dabei!

Und: Fortsetzung folgt! Jacob lädt uns als Keynotes ein zur „Konferenz Bildung Digitalisierung 2020“. Wir sind sehr gespannt. Einen Dank an Aladin und Jacob für das bereichernde Gespräch mit reichhaltigem Perspektivwechsel auf allen Ebenen!

Hier geht es zum Video.

Beschreibung des Forum Bildung Digitalisierung

„Die Erfahrungen der flächendeckenden Schulschließungen und des Lernens von zuhause zeigen deutlich, dass viele Schulen in Deutschland noch am Anfang stehen: digitale Medien und eine zeitgemäße Lernkultur sind noch längst nicht selbstverständlicher Teil des Schulalltags. Studien zeigen, dass der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland wie in kaum einem anderen OECD-Land von der sozialen Herkunft abhängt. Für Schüler*innen vor allem aus finanziell schwächeren, weniger bildungsaffinen Familien oder mit besonderen Förderbedarfen besteht nun noch mehr die Gefahr, den Anschluss zu verlieren und bildungsbiografische Lücken aufzubauen, die nur schwer wieder zu schließen sein werden. Wie kann der aktuelle Digitalisierungsschub dazu beitragen, den Blick auch für Fragen der Bildungsgerechtigkeit zu schärfen? Wie können Schulen, Schulträger, politische Entscheider*innen und die Zivilgesellschaft einen aktiven Beitrag leisten, um verschiedene Formen sozialer Ungleichheit gezielt auszugleichen? Wie können wir eine neue Lernkultur stärken, die auf Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit ausgerichtet ist? Welchen Beitrag können digitale Medien dafür in der Unterrichtsentwicklung spielen und eine zeitgemäße Lernkultur für die Schulentwicklung insgesamt? Darüber spricht Jacob Chammon, Vorstand des Forum Bildung Digitalisierung und ehemaliger Schulleiter der Deutsch-Skandinavischen Gemeinschaftsschule in Berlin gemeinsam mit dem Experten für Bildungsgerechtigkeit, Professor für Erziehungswissenschaft und Inhaber des Lehrstuhls für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück und „Mythos Bildung“-Autor Aladin El-Mafaalani und der Studienleiterin am Institut für Qualitätsentwicklung für Schulen in Schleswig-Holstein und Vorreiterin für DiKlusion (Digitale Medien und Inklusion) Lea Schulz.“

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Logo Diklusion

#diklusion und Fernunterricht

Mein Vortrag auf der #mololdigital am 17.06.2020

Die erste vollkommen digitale #molol (Link) hat nun bereits zum dritten Mal „getagt“ – und das Thema #diklusion war ebenfalls vertreten! 😀

Das Webinar hat über Zoom stattgefunden und wurde im Nachhinein an einigen Überleitungsstellen gekürzt.

Hier findet ihr meinen Vortrag zum Thema:

#diklusion auf Distanz: Digital-inklusive Ideen für den Unterricht aus der Ferne

„Von Samuel habe ich seit März nix mehr gehört. Annabel schickt nie Aufgaben. Suse darf am Präsenzunterricht nicht teilnehmen und Kurt versteht die Aufgaben nicht. Mary hört in den Videokonferenzen fast gar nichts. Ein wahrer Flickenteppich.“

Welche Schüler*innen werden durch den Fernunterricht in Bezug auf die Teilhabe an Bildung benachteiligt? Was muss ich als Lehrende beachten? Manchmal sind es wenige kleine Tricks, die einen Online-Unterricht diklusiv werden lassen. Ihr erhaltet einen Überblick über ein paar grundlegende Ideen, Tools und „barrierefreie“ Praxiserfahrungen für den Fernunterricht für ALLE Schüler*Innen eurer Klasse. Dies Angebot richtet(e) sich „ganz inklusiv“ an Lehrkräfte ALLER Schularten, die mit ihrem Unterrichtsangebot ohne Ausnahme alle Lernenden erreichen wollen.

Die Folien und Dokumente könnt ihr euch hier herunterladen:

Hygiene-Maßnahmen

Über Corona sprechen…

ODER Lieder, Bilderbücher und Co. rund um das Corona-Virus

Unsere Schüler*innen kommen wieder in die Schule – teils entspannt, teils vollkommen vereinsamt, gelangweilt, teils aber auch verängstigt und unsicher. Besonders Schüler*innen mit kognitiven Einschränkungen, aber auch Kinder, deren Eltern sie nicht ausreichen über Corona, COVID-19 und die Pandemie aufgeklärt haben, haben ungesteuerte Ängste. Andere müssen dagegen sensibilisiert werden, wie sie sich in der Welt angemessen verhalten können, ohne der Gefahr einer Ansteckung ausgeliefert zu sein. Andere wiederum haben sich von den Fake-News in den sozialen Netzwerken, im Internet oder als ungefilterte Wiedergabe eigener Familienmitglieder irritieren lassen.

Aus diesem Grund sollte in der Schule Corona dringend mit den Schüler*innen thematisiert werden. Somit werden Ungereimtheiten geklärt, Fake-News verstanden und ausgehebelt, und ggf. auch Auswirkungen der Pandemie und die damit verbundenen Ängste klarer gefasst.

Hier möchte ich euch eine kleine Sammlung mit Vorschlägen zur Arbeit mit euren Schüler*innen – insbesondere im diklusiven (digtal-inklusiven) Kontext zusammenfassen. Die Sammlung wird beständig ergänzt. Ihr habt weitere Vorschläge? Sendet sie mir gerne zu oder schreibt sie unten in die Kommentare.

Das hier ist eure Übersicht:

  1. (Bilder-)Bücher
  2. Videos, Filme, …
  3. Unterrichtsmaterial
  4. Info-Seiten für Kinder
  5. Fake-News
  6. Lieder und Reime

(Bilder-)Bücher

Videos, Filme, …

Die Sendung mit der Maus hat einen ganze Reihe an kleinen Erklärvideos zusammengestellt – und ganz hervorragend anschaulich für Kinder aufbereitet. Themen sind bspw. „Gibt es Medikamente gegen das Corona-Virus?“, „Woher kommt das Virus?“ oder „Welche Symptome hat man bei COVID-19?.

Auch LOGO! erklärt in verschiedenen Beiträgen, was das Corona-Virus ist und wie wir uns verhalten müssen.

Der WDR hat ebenfalls einen Beitrag extra für Kinder erstellt.

Die Stadt Wien erklärt in einem süß-anmierten Filmchen den Kindern, was es mit COVID-19 auf sich hat.

Eurac Research hat ebenfalls einen animierten Film erstellt.

In diesem Film werden die Kinder, die wieder zurück in die Schule kommen über Veränderungen, die sie im neuen Schulalltag erwarten, aufgeklärt.

Eine Reportage für Kinder rund um das Corona-Virus wurde von Checker-Welt erstellt.

Im Infofilm „Kinderfragen und Antworten zu Corona“ antwortet Franziska Giffey auf Kinderfragen im Interview.

Psychische Folgen von Corona und was zu tun ist“ – in 3 Minuten erklärt für Kinder von 6 bis 12 und für Jugendliche

Verschiedene Beiträge im „Info-Netz“ für Kinder vom SWR

Auch der NDR bringt in den Nachrichten für Kinder die neuesten Informationen über die Lockerungen, über die Ansteckungsgefahr und die neuen Regeln.

Unterrichtsmaterial

Auf der Seite von metacom gibt es viele Ideen zum Thema Infektionsschutz und Co. – mit den wundervollen metacom-Symbolen besonders für die Grundschule oder auch den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung geeignet.

Der Bildungsserver hat ebenfalls eine Sammlung zum „Corona-Virus“ zusammengestellt.

Etwas anspruchsvoller kommen die Kopiervorlagen vom Verlag an der Ruhr daher – diese können aber von den Kindern direkt bearbeitet werden (leider nicht kostenfrei – 6,99 €).

Info-Seiten für Kinder

Das GEO-Magazin hat eine Informationsseite mit knapp gehaltenen Informationen rund um das Virus zusammengestellt. Außerdem gibt es auch einen Podcast zum Thema.

Eine hervorragende Zusammenstellung verschiedenster Quellen zum Corona-Virus für Kinder bietet die Seite „Seitenstark„.

Die Suchmaschine „Blinde Kuh“ hat ein paar Surftipps zum Corona-Virus für Kinder zusammengestellt.

Die ZEIT hat das Corona-Kinderlexikon erstellt.

Auch die Bundesregierung bemüht sich um einfache Sprache zur Information über das Corona-Virus.

Der Spiegel erklärt ebenfalls das Corona-Virus für Kinder.

Fake-News

Das #twitterlehrerzimmer war wieder fleißig – und hat eine unglaubliche Sammlung zum Thema Fake-News und Corona in einem Padlet zusammengefasst. Dieses Riesen-Sammlung umfasst Videos, Podcasts, Texte, Reime, Materialien usw. – zur Identifikation falscher Meldungen. Je nach kognitivem Verständnis müssen viele der Materialien ggf. aufbereitet und vereinfacht werden.

Nachrichten über die Pandemie in einfacher Sprache findet ihr auf nachrichtenleicht.

Lieder und Reime

Ganz vorne weg: Der Corona-Song der Friholtschule in Flensburg (Förderzentrum Geistige Entwicklung), meiner Heimatstadt. TOLL!

Ich steck dich nicht an – du steckst mich nicht an“ von Hurra Kinderlieder

Wasch dir deine Hände“ – eine Übersetzung des finnischen Kinderlieds

Wasch uns“ von Hurra Kinderlieder zum Thema Händewaschen

Sehr rockiger Beitrag über das Zuhausebleiben

Ein Bildgedicht… (sprachlich etwas anspruchsvoller).

Agent Blitzblank“ und das Lied „Hände waschen – Hände nass“ von der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Ihr habt noch weitere Ideen? Schreibt sie mir gerne in den Kommentaren :).

Corona-Virus

Teilhabe während des Fernunterrichts in der Corona-Krise

Mit den Schulschließungen und dem damit einhergehenden Fernunterricht, der auch immer wieder als sogenanntes Home-Schooling betitelt wird, kommt die Frage der Teilhabe von einigen Schülerinnen und Schülern an der Bildung auf. Bildungsgerechtigkeit – Chancengleichheit – Schulschließungen… wo ist der Fehler?

Viele Schülerinnen und Schüler haben schwerwiegende Schwierigkeiten bildungsrelevante Inhalte zuhause zu erwerben. Nach vielfältigen Befragungen insbesondere von Sonderschullehrkräften haben einige Schüler*innen eine Reihe Schwierigkeiten, im Fern-Unterricht an Bildung teilhaben zu können.

Besonders Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Haushalten und/oder jene mit verschiedenen Förderbedarfen werden durch die Corona-Krise abgehängt. Einige der folgenden Aspekte spielen dabei eine Rolle:

Unzureichendes Arbeitsmaterial

Einige Schüler*innen…

  • verfügen nicht über eigene digitale Endgeräte.
  • müssen sich die Endgeräte mit den anderen Familienmitgliedern teilen.
  • haben zum Ausdrucken von Material häufig keinen Drucker zur Verfügung.
  • haben ggf. keinen Zugang zu WLAN.

Schwierigkeiten mit dem inhaltsbezogenes Lernen im Fernunterricht

Einige Schüler*innen…

  • können nur über die direkte Anschauung lernen und sind mit Arbeitsbögen, Texten usw. überfordert.
  • haben keinen Zugriff auf das Anschauungsmaterial, wie bspw. die Rechentafel, die sich in der Schule befindet.
  • benötigen zum Lernen zwingend Motivatoren, z.B. durch die Lerngruppe oder die Lehrkräfte.
  • benötigen vielfältige Erklärungen und Visualisierungen in einzelnen Schritten.

Häusliche Unterstützung

Einige Schüler*innen

  • erfahren keinen strukturierten Tagesablauf im Haus
  • werden nicht beim Aufstehen unterstützt.
  • erhalten keine regelmäßige Mahlzeiten.
  • müssen ggf. auf kleinere Geschwister aufpassen.
  • haben keinen ruhigen Platz zum Arbeiten, wie z.B. ein eigenes Kinderzimmer mit Arbeitsplatz.
  • werden von den Eltern weder inhaltlich (beim Verständnis der Aufgaben) noch strukturell (z.B. Einteilung der Aufgaben über den Tag/die Woche oder beim Bedienen der digitalen Lernprogramme) unterstützt.
  • die Deutschkenntnisse der Eltern reichen für die inhaltliche Unterstützung nicht aus.

Psychische Belastung

Einige Schüler*innen…

  • haben ggf. Sorgen und Ängste in Bezug auf die Corona-Pandemie, die mit ihnen nicht ausreichend besprochen wurden.
  • erfahren durch die Beengtheit großen seelischen Druck durch die Familie.
  • erfahren ggf. häusliche Gewalt.

Schlechte Erreichbarkeit

  • Das Telefon wird nicht abgenommen.
  • Die Online-Aufgaben werden nicht eingereicht.
  • Auf E-Mails wird nicht reagiert oder die Familie hat keine E-Mailadresse.

Erste Hilfe?

Eine erste Hilfe wird durch das BMBF angekündigt – es werden 500 Mio. Euro vom Bund bereitgestellt, um das digitale Lernen bereit zu stellen. Damit sollen unter anderem bedürftigen Kindern Endgeräte zur Verfügung gestellt werden. Jedes Kind erhält dafür 150 Euro. Die Übergabe an die Länder wird noch verhandelt.

Dies ist sicherlich ein erster sinnvoller Schritt in die richtige Richtung – meines Erachtens reicht dies noch lange nicht aus! Wenn wir eine chancengleiche Bildung erreichen wollen, müssen wir auch die (digitalen) Lernmittel für alle Schüler*innen zur Verfügung stellen.

Ein erster Schritt haben einige Schulen im Alleingang beschritten: Es wurden „digitale“ Spenden gesammelt, Firmen haben Schüler*innen alte digitale Endgeräte zur Verfügung gestellt, Schulen leihen bedürftigen Schüler*innen Endgeräte wie Tablets oder Laptops für die Zeit der Schulschließungen aus, einige Städte und Kommunen gewähren eine Bezuschussung digitaler Endgeräte.

Was können Lehrkräfte tun?

Die Handlungsspielräume der Lehrkräfte in der Corona-Krise erscheinen beschränkt. Die Schüler*innen oder auch die gesamte Familie können durch die Kontaktsperre vom Sichtfeld verschwinden. Es sind mehr Schüler*innen zu betreuen als es über die Ferne in einer angemessenen Intensität von Nöten ist. Nicht umsonst fordert Klaus Klemm, dass besonders sozial-benachteiligte Schüler*innen zu den ersten Schülergruppen gehören sollten, die die Schulen wieder besuchen dürfen.

Dennoch ist es möglich, Rücksicht auf benachteiligte Schüler*innen zu nehmen.

Arbeitsmaterial

In Bezug auf das Arbeitsmaterial ist wichtig, zunächst die digitalen Möglichkeiten der Schüler*innen zu erfragen und auf der Grundlage dessen den Fernunterricht individuell zu planen und zuzuschneiden. Ggf. ist in Erwägung zu ziehen, inwieweit eine Technikspende oder eine Ausleihe von digitalen Endgeräten durch die Schule realisiert werden kann.

In der JIM-Studie konnte bei Befragungen von 12 bis 19-jährigen Jugendlichen aufgezeigt werden, dass in 99% der Haushalte ein Smartphone sowie in 98% der Haushalte ein Laptop sowie WLAN vorhanden sind.

Geräte-Ausstattung im Haushalt - JIM-Studie 2019
Geräte-Ausstattung im Haushalt – JIM-Studie 2019 (Quelle)

Je nach Alter besitzen zwischen 84 und 99 % der Jugendlichen sogar ein Smartphone und können zu 76 bis 97 % auf das WLAN zugreifen.

Gerätebesitz Jugendliche JIM 2019
Gerätebesitz Jugendlicher nach Alter differenziert – JIM-Studie 2019 (Quelle)

Daraus lässt schließen, dass es möglicherweise der beste Weg für Kommunikation und Bereitstellung von Arbeitsmaterial das Smartphone ist. Hieraus folgt:

  • Bei Verwendung von jeglichen Anwendungen (bspw. Videokonferenztools, wie Jitsi, Webex und Co.) darauf achten, dass diese auch auf dem Smartphone verwendet werden kann.
  • Möglichst keine Arbeitsbögen zum Ausdrucken bereitstellen – oder alternativ sicherstellen, dass die Bögen auf anderem Wege (per Post) zu den Lernenden gelangen.
  • Ggf. auf kostenfreie Apps zurückgreifen, wie die Anton-App.

Außerdem können Eltern die Schüler*innen ggf. nicht darin unterstützen eine Software zu installieren (aus den verschiedensten Gründen). Daher ist es besonders sinnvoll bei Videosoftware darauf zu achten, dass diese am besten über einen Link oder alternativ über eine App, aber nicht zwingend ausschließlich durch eine Software auf dem Laptop zur Verfügung gestellt wird.

Inhaltsbezogenes Lernen

Besonders Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten fällt es besonders schwer, sich selbst einen Lernplan zu erstellen. Daher ist es sinnvoll bei der Bereitstellung von Material folgendes zu berücksichtigen:

  • Die Arbeitsmaterialien sollten zusätzliche Hilfen enthalten, die den Schüler*innen vorgeschlagen werden: „Was kann ich tun, wenn ich diese Aufgaben nicht lösen kann?“ Als Hilfestellung kann auf Seiten im Buch, auf Freunde z.B. via Telefon/Messenger, auf Erklärvideos oder hilfreiche Webseiten verwiesen werden.
  • Die Aufgaben sollten schrittweise aufgebaut werden (z.B. im Rahmen eines Kompetenzrasters).
  • Die Aufgaben sollten, wie im Unterricht auch, für die einzelnen Schülergruppen differenziert dargeboten werden.
  • Besonders Schüler*innen mit kognitiven Einschränkungen benötigen Anschauung: Es sollte unterschiedliches Anschauungsmaterial (als App, Realgegenstände, Bilder, Videos, …) zur Verfügung gestellt werden.
  • Erklärvideos: Den Schüler*innen sollte vor dem Einstellen von Erklärvideos erklärt werden, wie sie mit diesen Videos umgehen (schauen, anhalten, zurückspulen, von Vorne sehen, eigenes Verständnis prüfen usw.).
  • Die Schüler*innen benötigen eine Tagesstruktur. Es sollte überlegt werden, wie die Schüler*innen ihre Aufgaben in der Woche und auch innerhalb eines Tages planen. Hierfür bietet sich ggf. ein Padlet an, in dem eine Tages- oder Wochenstruktur mit der Verteilung der unterschiedlichen Aufgaben abgebildet werden kann.

Kommunikation

Bei vielen Schüler*innen stehen andere Sorgen als die Bearbeitung von Aufgaben im Vordergrund. Diese sollten zwingend Berücksichtigung finden. Die Aufrechterhaltung des Kontakts zwischen Schüler*innen und Lehrkräften steht im Vordergrund. Die Beziehungsarbeit ist wichtiger als die Prozentrechnung! Hierbei ist es möglich auf verschiedene Formate zurückzugreifen:

  • Video-Unterricht mit einem der verschiedenen Videokonferenztools (Jitsi, Webex, …) – sowohl alleine als auch in der Gruppe.
  • Telefonate oder auch eine Telefonsprechstunde für Schüler*innen
  • Messenger (z.B Threema Education oder Schoolfox)
  • E-Mails oder Möglichkeiten der Kommentare über Lernmanagement-Plattformen (Feedback ist hier essentiell).

Corona macht Angst

Viele Kolleginnen und Kollegen benennen noch eine weitere Problematik. Viele ihrer Schüler*innen sind durch ihre Eltern nicht ausreichend über das Virus und die Krankheit COVID-19 informiert. Dies verursacht Ängste oder auch leichtfertigen Umgang mit dem Virus. In Gesprächen mit den Schüler*innen kann dem entgegengewirkt werden. Auch kann das Virus selbst Teil des Unterrichtsstoffs werden.

Eine Möglichkeit wäre auch, mit den Schüler*innen ein Bilderbuch zu lesen:

Lese-Stoff zu diesem Thema

Ich habe euch ein paar Lesetipps zum Thema Fernunterricht in der Corona-Krise und Teilhabe einiger Schüler*innen zusammengestellt:

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