Diklusions-Expertin - Sonderschullehrerin - Studienleiterin

Schlagwort: Diklusion

Kultur der Diklusivität

ZEIT Unconference

Zum Vortrag „Diklusive Schulentwicklung“ am 20.05.2021 bei der ZEIT Unconference

Moderiert durch den großartigen René Fehrmann durfte ich am Donnerstag, 20.05.2021 für die ZEIT einen Vortrag zum Thema diklusive Schulentwicklung halten. Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich das Thema ganz klassisch angehe – die Bereiche der Schulentwicklung aufzeige und die Bezüge zwischen der Entwicklung einer Kultur der Digitalität und der Inklusion – in Zusammenschau einer Kultur der Diklusivität – herausstelle. Doch ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen die wichtigste Grundlage der diklusiven Schulentwicklung hervorzuheben:

die diklusive Haltung

Zusammenfassend:

Hinter der Mähne

Corona hat uns blinde Flecken aufgezeigt – wie eine dicke Mähne, die uns vorher vor den Augen hing und nun zur Seite geschoben worden ist:

  • schlechte Ausstattung,
  • Schüler:innen arbeiten nicht zwingend von allein selbstreguliert,
  • Lehrkräfte sind für die Arbeit auf Distanz und mit digitalen Medien nicht gerüstet,
  • Infrastrukturen und Kommunikationskanäle funktionieren nicht,
  • und, welche Wunder: Bildungsbenachteiligte Schüler:innen sind… weiterhin bildungsbenachteiligt und die Verlierer des Systems

Wer hat, dem wird gegeben

Bildungsverlierer waren sie jedoch vorher schon. Der Matthäus-Effekt ist nichts Neues! Die Schüler:innen aus benachteiligten Familien erreichten schon bei PISA 2018 113 Punkte weniger auf der Leseskala als privilegierte Schüler:innen. Das macht ein Unterschied von ca. drei Schuljahren aus. Dieser Unterschied ist seit dem Jahr 2009 auch noch um 10% gestiegen, d.h. es ist keine Besserung in Sicht.

Hinzu kommt eine Verräumlichung sozialer Ungleichheit: Schüler:innen aus benachteiligten Familien ballen sich häufig an einzelnen Schulstandorten, die in der Öffentlichkeit gerne als sogenannte Brennpunktschulen betitelt werden.

Das schwarze Schaf

Eine wesentliche Problematik stellt zudem die Defizitorientierung von Lehrkräften in der SuS-Lehrer:innenbeziehung dar, die sich besonders bei bildungsbenachteiligten Schüler:innen negativ auswirkt.

Lehrkräfte führen ungünstige Leistungsentwicklungen nicht auf strukturelle gesellschaftliche Ungleichheit zurück, sondern einzig auf bereits vorher antizipierte kulturelle, ethische oder genetische Besonderheiten einer Gruppe oder auf das lernhinderliche Umfeld innerhalb des Familiensystems. So werden die bildungsbenachteiligten Schüler:innen das schwarze Schaf im schulischen System. Besonders schwierig wird es, wenn diese Einstellungen Teil der Schulkultur werden, insbesondere an Schulen in den oben benannten Ballungszentren.

Empirisch findet sich die geteilte Überzeugung, dass mit diesen Kindern und diesen Eltern und in dem Umfeld mit dem Lernen nichts zu machen sei (Hermann 2017).

Bei der Familie – kein Wunder.

Der hat zu Hause ja auch keine Unterstützung.

Da hilft halt nix.

Aus diesem Grund finden oft adaptive Formen von Unterricht erst gar nicht statt, die unterschiedliche Fähigkeiten sozialer und ethischer Gruppen als Potenzial oder Ressource nutzen könnten. Diese Form der Defizitorientierung, die an vielen Schulen auffindbar ist, wirkt sich auch auf das professionelle Handeln und die Selbstwirksamkeit aus (Valencia 2020).

Der Rollstuhl im Kopf

Spricht man Menschen auf das Thema Inklusion an, wird häufig nur eine Perspektive beleuchtet: Es geht um Schüler:innen mit Förderbedarf oder Menschen mit Behinderung. Bei Ansprache des Themas bei Schulleitungen führte die erste Reaktion häufig zu ersten Aussagen wie:

Dafür ist unser Schulgebäude gar nicht gemacht. Wie sollen die die Treppen hochkommen?

Wir würden das ja alles gerne machen – aber die Voraussetzungen sind uns nicht gegeben.

Das Kind im Rollstuhl, das am üblichen Schulleben teilhaben soll, scheint ein fest verankerter Prototyp zu sein, der die unüberwindbaren Treppen im Schulgebäude als Barriere in den direkten Zusammenhang stellt. Dass Inklusion doch so viel mehr ist, als die Ressourcenfrage oder die Barrieren im Gebäude – wird nicht immer in den Blick genommen. Der Raum bleibt dunkel.

Inklusive Schulentwicklung bedeutet für mich daher auch, diesen Raum zu beleuchten, ihn mit Leben zu füllen und gleichzeitig die Erfahrungen der Kolleg:innen ernst zu nehmen, Prototypen aufzubrechen und den Blick zu weiten.

Böse Medienwelten

Um den Blick nun wieder in die medialisierte Welt zu schwenken, kommt eine weitere Problematik hinzu, die gehäuft an minder privilegierten Schulen auftritt. Die Kontaktfläche zu digitalen Medien der Lehrkräfte ist an vielen Stellen negativ geprägt. Schon Schüler:innen in der Grundschule sehen Zombie-Filme, Jugendliche spielen Baller-Spiele oder verlieren sich in der Welt von Social Media. Tagtäglich werden Lehrkräfte mit den Auswirkungen von der nicht kindgerechten Nutzung von digitalen Medien aus dem Alltag der Kinder konfrontiert und stehen oft hilflos davor. Elterngespräche führen häufig in die Sackgasse, Aufklärung hilft aus der gefühlten Subjektivität heraus wenig. Bildungsbenachteiligten Schüler:innen verbringen viel Zeit mit Gaming und das bleibt den Lehrkräften ein Dorn im Auge. Das Bedürfnis den Kindern einen Zugang zur Natur, zur Realität und zur Gesellschaft und zum „wahren Leben“ zu schaffen, ist groß und von viel Idealismus geprägt. Zu verstehen, dass die virtuelle Welt ein Teil der Sozialisation der Schüler:innen ausmacht und sich ihre Identität ebenfalls maßgeblich in dieser Welt ausbildet, ist nicht allen Lehrkräften bewusst. Der negative Einfluss digitaler Medien in ihrem schulischen Alltag führt zu einer Einstellung, dass besonders DIESE Kinder (welche auch immer das sind) – nicht auch noch in der Schule mit digitalen Medien konfrontiert werden sollten.

Kultur von was?

Zusammenfassend kommt es in einigen Schulen zu einer diklusiven Haltung geprägt von:

  • einer defizitorientierten Haltung („da ist nichts mehr zu machen“),
  • einem negativen Verhältnis zu digitalen Medien („diese ganzen Spiele machen hier alles noch schlimmer“),
  • gewürzt mit einem eingeschränkten Blick auf Inklusion („Die kommen ja nicht mal die Treppe hoch.“).

Diese Form der diklusiven Haltung vereint sich speziell in den Gebieten, in denen bildungsbenachteiligte Schüler:innen gehäuft in bestimmten Schuldistrikten sitzen. Wird das Versagen vorrangig bei den Familien und den Umständen im häuslichen Umfeld der Schüler:innen verortet, so erscheint eine inklusive Schulentwicklung und auch das Einlassen auf neue Technologien sinnlos. Es entsteht ein Teufelskreis: niedrige Anforderungen der Lehrkraft führen zu Misserfolgen beim Lernen der Schüler:innen und dies wiederum zum Absinken von Motivation. Self-fulfilling prophecy…

Klasse – dann haben wir die Schuldigen ja gefunden: die Lehrkräfte!

Nein. Die (Weiter-)Entwicklung einer diklusiven Haltung ist Teil unserer beruflichen Professionalität und sollte selbstverständlich auch Teil der Schulentwicklung sein. Dennoch ist es zu einfach, die Verantwortung zunächst von den schwierigen häuslichen Situationen auf die mangelhafte Haltung der Lehrkräfte abzuschieben. Die Bildungssystementwicklung muss systematisch stattfinden und vorangetrieben – revolutioniert werden. Und selbstverständlich braucht Inklusion auskömmliche Ressourcen und vor allem Zeit – Zeit, um sich mit Schulentwicklung und mit der eigenen Haltung, mit den Werten der gemeinsamen Schule auseinanderzusetzen.

Diklusive Schulentwicklung bedeutet in erster Linie eine kontinuierliche Arbeit an einer diklusiven Haltung.

Lea Schulz, 2021

Die Kultur der Diklusivität

Digitale und inklusive Haltungen generieren sich aus Erfahrungen – aus Reflexion – in Auseinanderseztung mit den eigenen blinden Flecken, mit einem Perspektivwechsel. Ein systematischer Aufbau von Bildungsaufstiegen und Erfolgen anhand eines adaptiven und schülerzentrierten Unterrichts mit der gleichzeitigen Etablierung und eines Verständnisses von digitalen Medienwelten und den digitalen Praktiken der Schüler:innen. Die Forschung zeigt deutlich, dass hohe Leistungserwartungen der Lehrkräfte und ihr Zutrauen in die Lernfähigkeit (z.B. Hattie 2013) dazu führt, dass Lernprozesse gelingen können.

Wir brauchen damit nicht nur eine Form von Digitalisierung – sondern eine Kultur der Diklusivität im Schulalltag. Eine Schule in der Diversität und Inklusion sowie die Teilhabe an und mit Medien selbstverständlicher Teil des Schullebens darstellt. In der eine hohe Achtung untereinander und ein gutes Schulklima herrscht, das nicht von Leistungsdruck und Aussonderung geprägt ist. Multiprofessionelle Teams sollten neben einer gut ausgestatteten Ganztagsschule zum Alltag gehören. Die Schule ist nicht mehr ein Ort des Wissens, sonder ein Ort des Lernen, der Kooperation und Kommunikation unter Teilhabe aller Schüler:innen. Die digitalen Medien können in Zukunft der Schlüssel für die tatsächliche Umsetzung der inklusiven Schule sein, was wohl einen Paradigmenwechsel der Unterrichtsdidaktik und -methodik nach sich zieht, die die Potenziale digitaler Technologien zur Teilhabe aller Schüler:innen noch auszuschöpfen lernen muss.

5 Thesen zur (Weiter-)Entwicklung einer diklusiven Haltung

Die Haltung einer Lehrkraft entwickelt sich ein Leben lang. Die reflexive Auseinandersetzung mit den eigenen Praktiken, Erfahrungen und der gemeinsame Austausch führen dazu, dass eine diklusive Schulkultur nicht nur ein ferner Stern am Himmel ist.

  1. Biografien & blinde Flecken
    Die eigene Biografie, die eigenen Erfahrungen mit Diversität, der Umgang mit dem Anderssein und die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse mit digitalen Medien führen zu einer bestimmten Haltung. Aktive Biografiearbeit und (kollegiale) Reflexion helfen bei einem Perspektivwechsel. Das permanente und kontinuierliche Aushandeln von Werten und Zielen für die diklusive Schule sollten Teil einer aktiven Schulentwicklung sein.
  2. Partizipativ & gemeinsam
    Schulentwicklung sollte gemeinsam mit allen am Schulleben beteiligten Akteuren geschehen. Jugendliche sollten zu Experten gemacht werden, verschiedene Professionen in der Schule zeigen verschiedene Perspektiven auf und eine gemeinsame Offenheit führt zu einer Kultur des Teilens und gemeinsamen Entwickeln. Insbesondere, wenn die Schüler:innen uns ihre Medienwelt erklären, werden die Lehrkräfte ggf. ganz neue Erfahrungen sammeln. Die Schaffung einer Schulkultur wird nur interdisziplinär zu lösen sein.
  3. Kreativ & offen
    Eine freie Fehlerkultur führt zu kreativer Freiheit aller. Respekt, Akzeptanz untereinander ist nicht nur ein wichtiger Aspekt im Klassenraum, sondern sollte sich auch im Lehrer:innenzimmer erhalten bleiben. Hierfür sollte wertfrei ausprobiert werden dürfen, Ideen erhalten ihren Raum.
  4. Bunt, wild & wunderbar
    Diversität sollte nicht nur akzeptiert und respektiert werden, sondern Teil einer Schulkultur werden. Dazu müssen Diversität und Inklusion wie auch digitale Medien selbst permanent im Klassenraum wie im Lehrer:innenzimmer zum Thema gemacht werden. Welche Qualitäten hat der Einzelne? Welche Unterschiede finden wir in der Schülerschaft und im Kollegium? Was bedeutet soziale Ausgrenzung – auch im Netz? Wie kann ich Alltagsrassismus erkennen? Welche Potenziale erfahren wir durch die Diversität unserer Schule? Individuelle Entwicklungsgespräche, Kompetenzen, die sich an der individuellen Bezugsnorm orientieren und Inklusion als Thema – viele kleine Schritte führen zu einer diklusiven Schule.
  5. Erfahren & machen
    Das Lean-Konzept aus der Wirtschaft ist wohl ein Kreislauf, der immer wieder bereits Konzipiertes in den Blick nimmt. Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir mit der Schulentwicklung einmal „fertig“ sind, dass Inklusion „umgesetzt“ worden ist und dass digitale Medien „implementiert“ worden sind. Die Schule befindet sich im ständigen Wandel unserer Zeit und wir können diesen Wandel nur aktiv erleben, wenn wir selbst agieren und interagieren, erproben, reflektieren, verwerfen und neu konzipieren. Eine diklusive Schule und damit auch eine diklusive Haltung entwickelt sich vor allem auch durch ein aktives Tun und ein aktives Miteinander.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommel nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“  

Antoine de Saint Exupéry 

Der Vortrag

Die Powerpoint-Folien sind hier zum Download zu finden. Einen Dank an René für die wundervolle Moderation – es war mir eine Freude. Der Kaffee in Hamburg wird nachgeholt :). 

Auf der Webseite der ZEIT wird bald die Aufzeichnung zu sehen sein.

Literatur

•Schulz, Lea. 2021. «Diklusive Schulentwicklung. Erfahrungen und Erkenntnisse der digital-inklusiven Multiplikatorinnen- und Multipli-katorenausbildung in Schleswig-Holstein». MedienPädagogik 41, (Inklusive digitale Bildung), 32–54. https://doi.org/10.21240/mpaed/41/2021.02.03.X .

•Bremm, N. & Racherbäumer, K. (2020). Dimensionen der (Re-)Produktion von Bildungsbenachteiligung in sozialräumlich deprivierten Schulen im Kontext der Corona-Pandemie – In Fickermann, D. & Edelstein, B, [Hrsg.]: „Langsam vermisse ich die Schule …“. Schule während und nach der Corona-Pandemie. Münster; New York : Waxmann, S. 202-215. – (Die Deutsche Schule : Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik und pädagogische Praxis. Beiheft; 16) – URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-202394 –

•Schiefner-Rohs, M. (2017). Medienbildung in der Schule. Blinde Flecken und Spannungsfelder in einer Kultur der Digitalität. Medienpädagogik 27, 153-172. URL: https://www.medienpaed.com/article/view/594 •Schulz, Lea. 2018. «Digitale Medien im Bereich Inklusion». In Basiswissen Lehrerbildung: Inklusion in Schule und Unterricht, Grundlagen in der Sonderpädagogik, herausgegeben von Birgit Lütje-Klose, Thomas Riecke-Baulecke, und Rolf Werning, 344–367. Seelze: Klett/Kallmeyer.

•Schulz, Lea. 2020. «DiKlusion». https://leaschulz.com/diklusion/.

•Schulz, Lea, und Thomas Beckermann. 2020. «Inklusive Medienbildung in der Schule. Neun Aspekte eines guten diklusiven Unterrichts». Computer und Unterricht (117): 4-8. •Schulz-Zander, Renate. 1999. «Neue Medien und Schulentwicklung». In Schulentwicklung und Schulqualität. Beiträge zur Bildungsforschung und Schulentwicklung, herausgegeben von Ernst Rösner, 35-56. Bd. 8. Dortmund: IFS-Verlag.

•Rolff, Hans-Günter. 2013. Schulentwicklung kompakt. Modelle, Instrumente, Perspektiven. Weinheim und Basel: Beltz. •Scheer, David. 2020. Schulleitung und Inklusion. Empirische Untersuchung zur Schulleitungsrolle im Kontext schulischer Inklusion. Wiesbaden: Springer VS https://doi.org/10.1007/978-3-658-27401-6 Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen.

•Lang-Wojtasik, Gregor, und Ralf Schieferdecker. 2016. «Von der Inklusion zur Heterogenität und wieder zurück. Grundlegende Begriffe und Zusammenhänge mit schultheoretischem Anspruch». In Gemeinschaftsschule als pädagogische und gesellschaftliche Herausforderung, herausgegeben von Gregor Lang-Wojtasik, Katja Kansteiner, und Jörg Stratmann. 71-82. Münster: Waxmann.

•Eickelmann, Birgit. 2010. «Digitale Medien in Schule und Unterricht erfolgreich implementieren. Eine empirische Analyse aus Sicht der Schulentwicklungsforschung». In Empirische Erziehungswissenschaft, herausgegeben von Rolf Becker, Sigrid Blömeke, Wilfried Bos, Hartmut Ditton, Cornelia Gräsel, Eckhard Klieme, Rainer Lehmann, Thomas Rauschenbach, Hans-Günther Rossbach, Knut Schwippert, Christian Tarnai, Rudolf Tippelt, Rainer Watermann, Horst Weishaupt, und Jürgen Zinnecker. Bd. 19. Münster: Waxmann.

•Eickelmann, Birgit, Wilfried Bos, Julia Gerick, Frank Goldhammer, Heike Schaumburg, Knut Schwippert, Martin Senkbeil, und Jan Vahrenhold, Hrsg. 2019. ICILS 2018 #Deutschland computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im zweiten internationalen Vergleich und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking. Münster: Waxmann Verlag. http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-181664.

•Eickelmann, Birgit, Julia Gerick, und Mario Vennemann. 2019. «Unerwartet erfolgreiche Schulen im digitalen Zeitalter. Eine Analyse von Schulmerkmalen resilienter Schultypen auf Grundlage der IEA-Studie ICILS 2013». Journal for educational research online 11 (1): 118–44. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0111-pedocs-167909.

•Filk, Christian. 2019. «‹Onlife›-Partizipation für alle. Plädoyer für eine digital-inklusive Bildung». In Schule digital – wie geht das?, herausgegeben von Olaf-Axel Burow, 61-81. Weinheim: Beltz.

•Fischer, Christian. 2017. «Kompetenter Umgang mit Diversität und Inklusion. Anforderung an die Lehrerbildung im Kontext der Vielfalt von Begabungen, Beeinträchtigungen und Benachteiligungen». In Lehrerausbildung für Inklusion. Fragen und Konzepte zur Hochschulentwicklung, herausgegeben von Silvia Greiten, Georg Geber, Annika Gruhn und Manuela Köninger. S. 77-92. Münster: Waxmann.

•Buschhaus, Franziska, Katja Friedrich, Ilka Goetz, Lea Schulz, Daniel Staemmler, und Günther Thiele. 2013. «Neue Medien in der Pädagogik – Herausforderungen für eine nachhaltige Mediengrundbildung für pädagogische Fachkräfte». In Lernen in der digitalen Gesellschaft – offen, vernetzt und integrativ, herausgegeben von Luise Ludwig, Kristin Narr, Sabine Frank, und Daniel Staemmler, 37-59. Internet und Gesellschaft Co:llaboratory e.V. EPublikation.  http://dl.collaboratory.de/reports/Ini7_Lernen.pdf.

•Gerick: https://www.boell.de/de/2021/04/15/bildungsgerechtigkeit-in-einer-digitalisierten-welt?dimension1=ds_digitale-schule

Diklusion – ein Überblick

Im Rahmen der Veranstaltung „Diklusion“ bei der GEW im Saarland am 18.05.2021

Heute war ich im Saarland für die GEW aktiv – und habe einen Überblick zum Thema „Diklusion“ gegeben. Wer Interesse hat findet hier die Powerpoint:

Bei weiteren Fragen, Anregungen, Meinungen und Kritik: kontakt@leaschulz.com

Diklusion – DAZ in der Grundschule

Mein Beitrag bei der molol am 12.05.2021

Es war mir eine Freude wieder mit einem Beitrag bei der mobilen.schule dabei zu sein. Direkt in Slot 1 ging es rund um Tricks und Tools für den Einsatz zur Sprachförderung. Ich habe mich dieses Mal für einen Blumenstrauß von Apps und Tools entschieden, um exemplarisch das Thema Sprechanlässe und Wortschatzübungen aufzubereiten – in der Hoffnung, dass die Kolleginnen und Kollegen die Pflanzen ernten, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Wer Interesse hat, findet hier die Präsentation zum Reinschauen.

Wie wundervoll, dass dieser Blumenstrauß mir einen neuen Beruf eingebracht hat. Ich liebe es bunt! Tolle Idee! Danke.

In Kürze folgt hier noch ein Link zur Aufzeichnung.

Diklusion im Teacher Talk Podcast

Sebastian Nüsse bat mich zum Talk:

Teacher Talk Podcast mit Sebastian Nüsse

Im Zentrum des Gesprächs stand das Thema Diklusion – und was digitale Medien für die Individualisierung, aber auch für die Unterrichtsvor- und -nachbereitung bedeuten und warum digitale Medien den inklusiven Prozess in Schule maßgeblich unterstützen und verändern können.

Außerdem haben wir gemeinsam eine Reihe Begrifflichkeiten auf die Goldwaage gelegt: Was ist eigentlich eine Regelschule? Was bedeutet Inklusion? Bin ich eigentlich eine „Lehr“-Kraft oder ein Lernbegleiter? Sind Sonderpädagog:innen nur für be“sondere“ Kinder da?

Weiterdenken würde ich sehr gerne, welche Rolle die herkömmlichen Verlage zukünftig in der Bildungswelt spielen werden. Mein klares Statement: Die Arbeit mit Schulbüchern ist nicht inklusiv.

Und zum Schluss mein Statement, warum ich mir wünsche, das Wort Diklusion langfristig abzuschaffen.

Lieber Sebastian, es war mir ein Vergnügen – danke für die Einladung!

Blume in der Wüste

Schulleitungshandeln für eine diklusive Schulentwicklung

Innerhalb der diklusiven Schulentwicklung nimmt die Funktion der Schulleitung eine wichtige Rolle ein. Im Folgenden wird eine Checkliste zur Verfügung gestellt, um eigenes Schulleitungshandeln für eine diklusive Schule zu reflektieren.

Download der Checklisten:

Die Checkliste darf für eigene Zwecke gerne überarbeitet und an den eigenen Schulalltag angepasst werden.

Diklusive Schulentwicklung

Erfahrungen und Erkenntnisse der digital-inklusiven Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenausbildung in Schleswig-Holstein

Mein neuer Beitrag zur diklusiven Schulentwicklung ist in der Zeitschrift MedienPädagogik erschienen.

Dies steht im Abstract:

Der aktuelle wissenschaftliche Diskurs zur Schulentwicklung fokussiert vorrangig die Entwicklung von digitalen Ansätzen zum Lehren und Lernen. Im Kontext heterogener Lerngruppen und der gesellschaftlichen Verpflichtung inklusiver Lernangebote stellt sich eine parallele Entwicklung eines digitalen und inklusiven Ansatzes in der schulischen Praxis als ein umfassender innovativer Impuls dar. Aus den beiden Bereichen heraus entstehen einerseits Synergieeffekte und andererseits führen sie zur Partizipation aller Schülerinnen und Schüler an der digitalen Gesellschaft. In Schleswig-Holstein wurde dafür eine Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenausbildung etabliert, die diklusive (digital-inklusive) Vorgehensweisen initiiert und langfristig in inklusiven Settings an Schulen verbreitet. In der Konklusion der Anforderungen aus medienpädagogischer sowie inklusiver Perspekti-ve an einen zeitgemässen Unterricht lässt sich das Modell für diklusive Kompetenzen von Lehrkräften abbilden.“ (Schulz 2021, S. 32).

Ergänzend zu sagen, ist dass die Pandemie die Bedeutung nochmals herausgestellt hat, dass Medienentwicklungsplanung und Inklusion von Vornherein strukturell gemeinsam gedacht werden sollten. Die Chancen digitaler Medien zur Erhöhung der Teilhabe an Bildung sind enorm – doch ist gleichzeitig zu verzeichnen, dass durch digitale Medien eine Form von Exklusion entstehen kann. Besonders während des Distanzunterrichts war vielerorts ein Rückfall in lehrerzentrierte Unterrichtsmethoden zu erkennen, die uns wegführen von ersten konstruktivistischen Ansätzen sowie der Individualisierung und Differenzierung auf dem Weg zu einem diklusiven Unterricht für alle Schüler*innen.

Literatur

«Diklusive Schulentwicklung. Erfahrungen und Erkenntnisse der digital-inklusiven Multiplikatorinnen- und Multipli-katorenausbildung in Schleswig-Holstein». MedienPädagogik 41, (Inklusive digitale Bildung), 32–54. https://doi.org /10.21240/mpaed/41/2021.02.03.X. ISSN 1424-3636

Kultur der Diklusivität

Schulmedientage in Niedersachsen – eine Einführung in das Thema #Diklusion

Bei den Schulmedientagen habe ich eine Einführung anhand eines Vortrags zum Thema #Diklusion erstellt. In einem Schnelldurchlauf wurden einige Aspekte der „9 Aspekte für einen guten diklusiven Unterricht“ mit Leben gefüllt.

9 Aspekte eines diklusiven Unterrichts
Neun Aspekte eines diklusiven Unterrichts – nach Schulz und Beckermann 2020

Fazit des Vortrags war, dass eine diklusive Schule abhängig ist von einer veränderten Kultur in Schule, einem veränderten Umgang mit Diversität und Vielfalt sowie in der Verwendung digitaler Medien in inklusiven Kontexten. Die Haltung von Lehrkräften, die Offenheit von Schule und System sowie die veränderte Lernkultur eröffnen eine Kultur der Diklusivität. Der Vortrag ist mit Praxisbeispielen aus den jeweiligen Bereichen gespickt.

Literatur

Schulz, L. & Beckermann, T. (2020). Inklusive Medienbildung in der Schule. Neun Aspekte eines guten diklusiven Unterrichts. Computer und Unterricht (117), 4-8.

Schulz, L. (2018). Digitale Medien im Bereich Inklusion. In Lütje-Klose, B., Riecke-Baulecke, T. & Werning, R. (Hrsg.): Basiswissen Lehrerbildung: Inklusion in Schule und Unterricht, Grundlagen in der Sonderpädagogik (S.344–367). Seelze: Klett/Kallmeyer.

Schulz, L. (2020a i. Vorb.). Diklusive Schulentwicklung. Erfahrungen und Erkenntnisse der digital-inklusiven Multiplikatorenausbildung in Schleswig-Holstein. Eingereicht an H. Schaumburg und C. Filk für das Themenheft „Inklusiv-mediale Bildung in schulischen Kontexten – eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme“. Unveröffentlichtes Manuskript für die Zeitschrift Medienpädagogik.

Schulz, L. (2020b). Experteninterviews mit 11 Medienbeauftragten von Förderzentren in Schleswig-Holstein. (unveröffentlichte Transkription)

Bosse, I. (2019). Digitalisierung und Inklusion. Schule inklusiv 4, S.4–9.

Bosse, I., Schluchter, J.-R. & Zorn, I. (2019). Handbuch Inklusion und Medien- bildung. Weinheim: Beltz Juventa.

Sprechblase

Aladin El-Mafaalani und ich beim Community-Call am Digitaltag!

Digitale Schulentwicklung – Katalysator für Bildungsgerechtigkeit

Ihr habt die Diskussionsrunde verpasst? Hört euch hier noch einmal an, wie Jacob Chammon (Forum Bildung Digitalisierung), Aladin El-Mafaalani (Universität Osnabrück) und ich über die Chancengerechtigkeit in der Bildung unter dem Aspekt der Digitalisierung besprochen haben. Vom Roboter, der habitusneutral unterrichtet, über multiprofessionelle Teams bis hin zu Chancen digitaler Medien in Schulen für die Inklusion – von allem etwas dabei!

Und: Fortsetzung folgt! Jacob lädt uns als Keynotes ein zur „Konferenz Bildung Digitalisierung 2020“. Wir sind sehr gespannt. Einen Dank an Aladin und Jacob für das bereichernde Gespräch mit reichhaltigem Perspektivwechsel auf allen Ebenen!

Hier geht es zum Video.

Beschreibung des Forum Bildung Digitalisierung

„Die Erfahrungen der flächendeckenden Schulschließungen und des Lernens von zuhause zeigen deutlich, dass viele Schulen in Deutschland noch am Anfang stehen: digitale Medien und eine zeitgemäße Lernkultur sind noch längst nicht selbstverständlicher Teil des Schulalltags. Studien zeigen, dass der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland wie in kaum einem anderen OECD-Land von der sozialen Herkunft abhängt. Für Schüler*innen vor allem aus finanziell schwächeren, weniger bildungsaffinen Familien oder mit besonderen Förderbedarfen besteht nun noch mehr die Gefahr, den Anschluss zu verlieren und bildungsbiografische Lücken aufzubauen, die nur schwer wieder zu schließen sein werden. Wie kann der aktuelle Digitalisierungsschub dazu beitragen, den Blick auch für Fragen der Bildungsgerechtigkeit zu schärfen? Wie können Schulen, Schulträger, politische Entscheider*innen und die Zivilgesellschaft einen aktiven Beitrag leisten, um verschiedene Formen sozialer Ungleichheit gezielt auszugleichen? Wie können wir eine neue Lernkultur stärken, die auf Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit ausgerichtet ist? Welchen Beitrag können digitale Medien dafür in der Unterrichtsentwicklung spielen und eine zeitgemäße Lernkultur für die Schulentwicklung insgesamt? Darüber spricht Jacob Chammon, Vorstand des Forum Bildung Digitalisierung und ehemaliger Schulleiter der Deutsch-Skandinavischen Gemeinschaftsschule in Berlin gemeinsam mit dem Experten für Bildungsgerechtigkeit, Professor für Erziehungswissenschaft und Inhaber des Lehrstuhls für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück und „Mythos Bildung“-Autor Aladin El-Mafaalani und der Studienleiterin am Institut für Qualitätsentwicklung für Schulen in Schleswig-Holstein und Vorreiterin für DiKlusion (Digitale Medien und Inklusion) Lea Schulz.“

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#diklusion und Fernunterricht

Mein Vortrag auf der #mololdigital am 17.06.2020

Die erste vollkommen digitale #molol (Link) hat nun bereits zum dritten Mal „getagt“ – und das Thema #diklusion war ebenfalls vertreten! 😀

Das Webinar hat über Zoom stattgefunden und wurde im Nachhinein an einigen Überleitungsstellen gekürzt.

Hier findet ihr meinen Vortrag zum Thema:

#diklusion auf Distanz: Digital-inklusive Ideen für den Unterricht aus der Ferne

„Von Samuel habe ich seit März nix mehr gehört. Annabel schickt nie Aufgaben. Suse darf am Präsenzunterricht nicht teilnehmen und Kurt versteht die Aufgaben nicht. Mary hört in den Videokonferenzen fast gar nichts. Ein wahrer Flickenteppich.“

Welche Schüler*innen werden durch den Fernunterricht in Bezug auf die Teilhabe an Bildung benachteiligt? Was muss ich als Lehrende beachten? Manchmal sind es wenige kleine Tricks, die einen Online-Unterricht diklusiv werden lassen. Ihr erhaltet einen Überblick über ein paar grundlegende Ideen, Tools und „barrierefreie“ Praxiserfahrungen für den Fernunterricht für ALLE Schüler*Innen eurer Klasse. Dies Angebot richtet(e) sich „ganz inklusiv“ an Lehrkräfte ALLER Schularten, die mit ihrem Unterrichtsangebot ohne Ausnahme alle Lernenden erreichen wollen.

Die Folien und Dokumente könnt ihr euch hier herunterladen:

Corona-Virus

Teilhabe während des Fernunterrichts in der Corona-Krise

Mit den Schulschließungen und dem damit einhergehenden Fernunterricht, der auch immer wieder als sogenanntes Home-Schooling betitelt wird, kommt die Frage der Teilhabe von einigen Schülerinnen und Schülern an der Bildung auf. Bildungsgerechtigkeit – Chancengleichheit – Schulschließungen… wo ist der Fehler?

Viele Schülerinnen und Schüler haben schwerwiegende Schwierigkeiten bildungsrelevante Inhalte zuhause zu erwerben. Nach vielfältigen Befragungen insbesondere von Sonderschullehrkräften haben einige Schüler*innen eine Reihe Schwierigkeiten, im Fern-Unterricht an Bildung teilhaben zu können.

Besonders Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Haushalten und/oder jene mit verschiedenen Förderbedarfen werden durch die Corona-Krise abgehängt. Einige der folgenden Aspekte spielen dabei eine Rolle:

Unzureichendes Arbeitsmaterial

Einige Schüler*innen…

  • verfügen nicht über eigene digitale Endgeräte.
  • müssen sich die Endgeräte mit den anderen Familienmitgliedern teilen.
  • haben zum Ausdrucken von Material häufig keinen Drucker zur Verfügung.
  • haben ggf. keinen Zugang zu WLAN.

Schwierigkeiten mit dem inhaltsbezogenes Lernen im Fernunterricht

Einige Schüler*innen…

  • können nur über die direkte Anschauung lernen und sind mit Arbeitsbögen, Texten usw. überfordert.
  • haben keinen Zugriff auf das Anschauungsmaterial, wie bspw. die Rechentafel, die sich in der Schule befindet.
  • benötigen zum Lernen zwingend Motivatoren, z.B. durch die Lerngruppe oder die Lehrkräfte.
  • benötigen vielfältige Erklärungen und Visualisierungen in einzelnen Schritten.

Häusliche Unterstützung

Einige Schüler*innen

  • erfahren keinen strukturierten Tagesablauf im Haus
  • werden nicht beim Aufstehen unterstützt.
  • erhalten keine regelmäßige Mahlzeiten.
  • müssen ggf. auf kleinere Geschwister aufpassen.
  • haben keinen ruhigen Platz zum Arbeiten, wie z.B. ein eigenes Kinderzimmer mit Arbeitsplatz.
  • werden von den Eltern weder inhaltlich (beim Verständnis der Aufgaben) noch strukturell (z.B. Einteilung der Aufgaben über den Tag/die Woche oder beim Bedienen der digitalen Lernprogramme) unterstützt.
  • die Deutschkenntnisse der Eltern reichen für die inhaltliche Unterstützung nicht aus.

Psychische Belastung

Einige Schüler*innen…

  • haben ggf. Sorgen und Ängste in Bezug auf die Corona-Pandemie, die mit ihnen nicht ausreichend besprochen wurden.
  • erfahren durch die Beengtheit großen seelischen Druck durch die Familie.
  • erfahren ggf. häusliche Gewalt.

Schlechte Erreichbarkeit

  • Das Telefon wird nicht abgenommen.
  • Die Online-Aufgaben werden nicht eingereicht.
  • Auf E-Mails wird nicht reagiert oder die Familie hat keine E-Mailadresse.

Erste Hilfe?

Eine erste Hilfe wird durch das BMBF angekündigt – es werden 500 Mio. Euro vom Bund bereitgestellt, um das digitale Lernen bereit zu stellen. Damit sollen unter anderem bedürftigen Kindern Endgeräte zur Verfügung gestellt werden. Jedes Kind erhält dafür 150 Euro. Die Übergabe an die Länder wird noch verhandelt.

Dies ist sicherlich ein erster sinnvoller Schritt in die richtige Richtung – meines Erachtens reicht dies noch lange nicht aus! Wenn wir eine chancengleiche Bildung erreichen wollen, müssen wir auch die (digitalen) Lernmittel für alle Schüler*innen zur Verfügung stellen.

Ein erster Schritt haben einige Schulen im Alleingang beschritten: Es wurden „digitale“ Spenden gesammelt, Firmen haben Schüler*innen alte digitale Endgeräte zur Verfügung gestellt, Schulen leihen bedürftigen Schüler*innen Endgeräte wie Tablets oder Laptops für die Zeit der Schulschließungen aus, einige Städte und Kommunen gewähren eine Bezuschussung digitaler Endgeräte.

Was können Lehrkräfte tun?

Die Handlungsspielräume der Lehrkräfte in der Corona-Krise erscheinen beschränkt. Die Schüler*innen oder auch die gesamte Familie können durch die Kontaktsperre vom Sichtfeld verschwinden. Es sind mehr Schüler*innen zu betreuen als es über die Ferne in einer angemessenen Intensität von Nöten ist. Nicht umsonst fordert Klaus Klemm, dass besonders sozial-benachteiligte Schüler*innen zu den ersten Schülergruppen gehören sollten, die die Schulen wieder besuchen dürfen.

Dennoch ist es möglich, Rücksicht auf benachteiligte Schüler*innen zu nehmen.

Arbeitsmaterial

In Bezug auf das Arbeitsmaterial ist wichtig, zunächst die digitalen Möglichkeiten der Schüler*innen zu erfragen und auf der Grundlage dessen den Fernunterricht individuell zu planen und zuzuschneiden. Ggf. ist in Erwägung zu ziehen, inwieweit eine Technikspende oder eine Ausleihe von digitalen Endgeräten durch die Schule realisiert werden kann.

In der JIM-Studie konnte bei Befragungen von 12 bis 19-jährigen Jugendlichen aufgezeigt werden, dass in 99% der Haushalte ein Smartphone sowie in 98% der Haushalte ein Laptop sowie WLAN vorhanden sind.

Geräte-Ausstattung im Haushalt - JIM-Studie 2019
Geräte-Ausstattung im Haushalt – JIM-Studie 2019 (Quelle)

Je nach Alter besitzen zwischen 84 und 99 % der Jugendlichen sogar ein Smartphone und können zu 76 bis 97 % auf das WLAN zugreifen.

Gerätebesitz Jugendliche JIM 2019
Gerätebesitz Jugendlicher nach Alter differenziert – JIM-Studie 2019 (Quelle)

Daraus lässt schließen, dass es möglicherweise der beste Weg für Kommunikation und Bereitstellung von Arbeitsmaterial das Smartphone ist. Hieraus folgt:

  • Bei Verwendung von jeglichen Anwendungen (bspw. Videokonferenztools, wie Jitsi, Webex und Co.) darauf achten, dass diese auch auf dem Smartphone verwendet werden kann.
  • Möglichst keine Arbeitsbögen zum Ausdrucken bereitstellen – oder alternativ sicherstellen, dass die Bögen auf anderem Wege (per Post) zu den Lernenden gelangen.
  • Ggf. auf kostenfreie Apps zurückgreifen, wie die Anton-App.

Außerdem können Eltern die Schüler*innen ggf. nicht darin unterstützen eine Software zu installieren (aus den verschiedensten Gründen). Daher ist es besonders sinnvoll bei Videosoftware darauf zu achten, dass diese am besten über einen Link oder alternativ über eine App, aber nicht zwingend ausschließlich durch eine Software auf dem Laptop zur Verfügung gestellt wird.

Inhaltsbezogenes Lernen

Besonders Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten fällt es besonders schwer, sich selbst einen Lernplan zu erstellen. Daher ist es sinnvoll bei der Bereitstellung von Material folgendes zu berücksichtigen:

  • Die Arbeitsmaterialien sollten zusätzliche Hilfen enthalten, die den Schüler*innen vorgeschlagen werden: „Was kann ich tun, wenn ich diese Aufgaben nicht lösen kann?“ Als Hilfestellung kann auf Seiten im Buch, auf Freunde z.B. via Telefon/Messenger, auf Erklärvideos oder hilfreiche Webseiten verwiesen werden.
  • Die Aufgaben sollten schrittweise aufgebaut werden (z.B. im Rahmen eines Kompetenzrasters).
  • Die Aufgaben sollten, wie im Unterricht auch, für die einzelnen Schülergruppen differenziert dargeboten werden.
  • Besonders Schüler*innen mit kognitiven Einschränkungen benötigen Anschauung: Es sollte unterschiedliches Anschauungsmaterial (als App, Realgegenstände, Bilder, Videos, …) zur Verfügung gestellt werden.
  • Erklärvideos: Den Schüler*innen sollte vor dem Einstellen von Erklärvideos erklärt werden, wie sie mit diesen Videos umgehen (schauen, anhalten, zurückspulen, von Vorne sehen, eigenes Verständnis prüfen usw.).
  • Die Schüler*innen benötigen eine Tagesstruktur. Es sollte überlegt werden, wie die Schüler*innen ihre Aufgaben in der Woche und auch innerhalb eines Tages planen. Hierfür bietet sich ggf. ein Padlet an, in dem eine Tages- oder Wochenstruktur mit der Verteilung der unterschiedlichen Aufgaben abgebildet werden kann.

Kommunikation

Bei vielen Schüler*innen stehen andere Sorgen als die Bearbeitung von Aufgaben im Vordergrund. Diese sollten zwingend Berücksichtigung finden. Die Aufrechterhaltung des Kontakts zwischen Schüler*innen und Lehrkräften steht im Vordergrund. Die Beziehungsarbeit ist wichtiger als die Prozentrechnung! Hierbei ist es möglich auf verschiedene Formate zurückzugreifen:

  • Video-Unterricht mit einem der verschiedenen Videokonferenztools (Jitsi, Webex, …) – sowohl alleine als auch in der Gruppe.
  • Telefonate oder auch eine Telefonsprechstunde für Schüler*innen
  • Messenger (z.B Threema Education oder Schoolfox)
  • E-Mails oder Möglichkeiten der Kommentare über Lernmanagement-Plattformen (Feedback ist hier essentiell).

Corona macht Angst

Viele Kolleginnen und Kollegen benennen noch eine weitere Problematik. Viele ihrer Schüler*innen sind durch ihre Eltern nicht ausreichend über das Virus und die Krankheit COVID-19 informiert. Dies verursacht Ängste oder auch leichtfertigen Umgang mit dem Virus. In Gesprächen mit den Schüler*innen kann dem entgegengewirkt werden. Auch kann das Virus selbst Teil des Unterrichtsstoffs werden.

Eine Möglichkeit wäre auch, mit den Schüler*innen ein Bilderbuch zu lesen:

Lese-Stoff zu diesem Thema

Ich habe euch ein paar Lesetipps zum Thema Fernunterricht in der Corona-Krise und Teilhabe einiger Schüler*innen zusammengestellt:

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