Warum das Schulprogramm der AxD eine Gefahr für Demokratie, Inklusion und die Zukunft unserer Kinder darstellt

Das schulpolitische Programm der AxD ist kein Beitrag zu einer ernsthaften bildungspolitischen Weiterentwicklung. Es ist ein programmatischer Angriff auf zentrale Grundlagen einer demokratischen, inklusiven und wissenschaftlich fundierten Bildung.

Die darin formulierten Positionen stehen im offenen Widerspruch zu menschenrechtlichen Verpflichtungen, zu zentralen Befunden der Bildungsforschung und zu einem professionellen Verständnis von Schule als Ort der Teilhabe. Sie zielen nicht auf Verbesserung, sondern auf Rückbau. Nicht auf Differenzierung im pädagogischen Sinne, sondern auf Selektion im strukturellen Sinne. Nicht auf Stärkung von Kindern, sondern auf deren Sortierung. Was hier sichtbar wird, ist kein zufälliges Bündel einzelner Forderungen. 

Es ist ein konsistentes ideologisches Projekt, das Schule grundlegend umdeuten will: weg von Teilhabe, Vielfalt und Reflexion, hin zu Homogenisierung, Normierung und Kontrolle.

Ich verzichte bewusst darauf, dieses Programm direkt zu verlinken. Eine solche Verlinkung würde zur Verbreitung eines Dokuments beitragen, das mit seinen Positionen genau jene Entwicklungen befördert, denen eine demokratische Bildungsarbeit entgegenwirken muss.

1. Konstruktion einer Krise – und die systematische Verzerrung ihrer Ursachen

Das Programm operiert mit der Diagnose einer tiefgreifenden Bildungskrise. Diese Diagnose ist anschlussfähig, weil sie an reale Problemlagen anknüpft. Doch genau hier liegt die strategische Verschiebung: Komplexe Ursachen werden nicht differenziert analysiert, sondern selektiv gedeutet und politisch umgedeutet. Empirische Befunde aus dem IQB-Bildungstrend, TIMSS, IGLU und PISA zeigen seit Jahren, dass Bildungsungleichheiten eng mit sozialer Herkunft, Sprachvoraussetzungen, Ressourcenausstattung und institutionellen Rahmenbedingungen zusammenhängen. Diese Zusammenhänge werden im Programm nicht systematisch aufgegriffen, sondern verkürzt gerahmt. Insbesondere im Bereich sprachlicher Heterogenität wird Migration primär als Belastungsfaktor konstruiert, während differenzierte Ansätze der Sprachförderung, Professionalisierung von Lehrkräften und adaptive Lernumgebungen kaum berücksichtigt werden. An die Stelle struktureller Lösungsansätze treten segregierende Konzepte, die auf Trennung statt auf Förderung setzen.

Damit verschiebt sich die Perspektive: Nicht die Bedingungen von Bildung werden zum Gegenstand politischer Gestaltung, sondern bestimmte Gruppen von Lernenden werden implizit zum Problem erklärt.

 Diese Verkürzung entlastet strukturelle Verantwortung und bereitet scheinbar einfache Lösungen vor: mehr Selektion, mehr Kontrolle, mehr Ausschluss.

2. Angriff auf Inklusion – Exklusion als Programm

Besonders deutlich wird die ideologische Ausrichtung in der radikalen Ablehnung inklusiver Bildung. Inklusion wird als gescheitert dargestellt. Damit wird nicht nur ein zentrales Prinzip der UN-Behindertenrechtskonvention infrage gestellt, sondern auch eine breite internationale Forschungslage ignoriert. Inklusive Bildung ist kein optionales Reformprojekt, sondern Ausdruck des Rechts auf gleichberechtigte Teilhabe. Das Programm kehrt diese Logik um: Nicht unzureichende Rahmenbedingungen werden problematisiert, sondern das Prinzip selbst. Die Konsequenz ist eindeutig: 

Exklusion wird als Lösung legitimiert. Dies ist hoch problematisch. 

Inklusion versteht Heterogenität als Ausgangspunkt für pädagogisches Handeln. Das Programm der AxD hingegen konstruiert Differenz als Defizit und beantwortet sie mit Trennung.

3. Selektion statt Förderung – ein rückwärtsgewandtes Bildungsverständnis

Das zugrunde liegende Bildungsverständnis ist eindeutig selektiv. Frühzeitige Aufteilung, homogene Lerngruppen und begrenzter Zugang zu höherer Bildung bilden den Kern. Diese Logik widerspricht zentralen Erkenntnissen der Bildungsforschung. Frühe Selektion verstärkt soziale Ungleichheiten, stabilisiert bestehende Disparitäten und begrenzt Entwicklungschancen. Sie ist kein Instrument der Förderung, sondern der Reproduktion. 

Bildung wird hier nicht als offener Entwicklungsprozess verstanden, sondern als frühzeitige Sortierung.

Damit werden Bildungswege nicht eröffnet, sondern festgelegt. Gerade in heterogenen Lerngruppen zeigt sich jedoch, dass gemeinsames Lernen Entwicklung ermöglicht, während Trennung Potenziale systematisch reduziert.

4. Leistung als Disziplinierungsinstrument

Der Leistungsbegriff des Programms wirkt auf den ersten Blick klar und eindeutig. Tatsächlich ist er stark verkürzt. Leistung wird als messbare, objektive Größe dargestellt, die durch strengere Bewertungssysteme „wiederhergestellt“ werden könne. Diese Perspektive ignoriert grundlegende Erkenntnisse der Leistungsforschung. Bewertungen sind nie neutral. Sie sind eingebettet in Erwartungen, Normen und soziale Zuschreibungen. 

Eine Verschärfung von Bewertungssystemen führt nicht automatisch zu besseren Leistungen. Sie führt häufig zu erhöhter Selektivität und verstärkter Ausgrenzung. 

Leistung wird hier nicht als Entwicklungsprozess verstanden, sondern als Instrument der Differenzierung und Hierarchisierung.

5. Entkernung von Bildung – Schule ohne Demokratie

Besonders gravierend ist die systematische Verengung des Bildungsauftrags. Demokratiebildung, Antidiskriminierung, soziale Integration werden als „nicht-schulische Aufgaben“ delegitimiert. Damit wird Schule auf die Vermittlung von Basisfertigkeiten reduziert. Diese Position steht im fundamentalen Widerspruch zu modernen bildungstheoretischen Ansätzen. 

Schule ist immer auch ein Ort gesellschaftlicher Aushandlung. Sie ist zentral für die Entwicklung von Urteilskraft, Empathie und Partizipationsfähigkeit. 

Wer diese Dimensionen aus der Schule entfernt (und es ist fraglich, ob das überhaupt möglich ist, ohne das Lernen gänzlich in Frage zu stellen), entzieht demokratischen Gesellschaften langfristig ihre Grundlage.

6. Pseudoneutralität und ideologische Steuerung

Unter dem Schlagwort der Neutralität wird ein restriktives Verständnis von Schule etabliert. Lehrkräfte sollen sich aus politischen Diskursen zurückziehen. Gleichzeitig werden bestimmte normative Vorstellungen von Gesellschaft, Familie und Zugehörigkeit explizit festgeschrieben. Diese Kombination ist kein Zufall. Sie ermöglicht es, eigene Positionen als „normal“ zu setzen und andere Perspektiven zu delegitimieren. 

Neutralität wird hier nicht als Offenheit verstanden, sondern als Instrument der Begrenzung.

7. Digitalisierung als Feindbild – Verweigerung von Zukunft

Die pauschale Ablehnung digitaler Medien folgt keiner differenzierten pädagogischen Argumentation, sondern einer Abwehrhaltung gegenüber gesellschaftlicher Realität. Digitale Medien verschwinden nicht, wenn Schule sie ignoriert. Sie verlagern sich lediglich in unbegleitete Räume. Damit gibt Schule eine ihrer zentralen Aufgaben auf: Orientierung zu geben, einzuordnen, kritisch zu befähigen.

Die Konsequenz ist absehbar. Kinder, die Unterstützung haben, entwickeln Kompetenzen. Kinder ohne diese Unterstützung bleiben zurück. Ungleichheit wird nicht reduziert, sondern verstärkt. 

Eine Schule, die Digitales verweigert, schützt Kinder nicht. Sie lässt sie allein.

8. Autoritäre Verschiebung – Schule als Kontrollraum

In der Gesamtschau entsteht ein klares Bild. 

Schule wird nicht mehr als pädagogischer Raum gedacht, sondern als Ort der Ordnung, der Kontrolle und der Normierung. 

Professionelle Handlungsspielräume werden eingeschränkt, demokratische Strukturen zurückgedrängt. Diese Verschiebung ist nicht nur bildungspolitisch problematisch. Sie ist demokratietheoretisch hoch relevant.

Zu guter Letzt

Es geht hier nicht um unterschiedliche pädagogische Meinungen. Es geht um eine grundlegende Richtungsentscheidung

Das schulpolitische Programm der AxD steht für eine Entwicklung, die Exklusion normalisiert, demokratische Bildungsziele untergräbt und wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch verzerrt. 

Es ist Teil eines breiteren gesellschaftlichen Rechtsrucks, der zentrale Prinzipien offener Gesellschaften infrage stellt.

Dem muss widersprochen werden. Klar, begründet und entschieden. Am 6. September 2026 liegt diese Entscheidung in den Händen der Wähler:innen.

Es geht um die Frage, in welcher Gesellschaft unsere Kinder lernen werden.

Es geht um die Zukunft von Bildung als Raum der Teilhabe.

Es geht um Demokratie.

Wählen Sie für eine Schule, die stärkt statt ausgrenzt.

Wählen Sie für eine Bildung, die Vielfalt ermöglicht, statt sie zu bekämpfen.

Wählen Sie für unsere Kinder.

Danke.