Bevor ich geforscht habe, habe ich unterrichtet – als Sonderschullehrerin im Förderschwerpunkt Sprache in Flensburg. Ein Mädchen habe ich damals schon in der Kita begleitet und später auch beim Übergang in die Schule. Sie hatte selektiven Mutismus – im Unterricht sprach sie nicht. Meine Schulleitung erlaubte mir, das allererste iPad für unsere Schule anzuschaffen. Zum Ausprobieren.
In der ersten Klasse stand eine kleine Vorstellungsrunde an; die anderen Kinder erzählten mündlich. Ich setzte das Mädchen mit dem iPad in einen ruhigen Raum, zeigte ihr, wie man etwas einspricht, stellte einen Timer und sagte: „In 15 Minuten komme ich wieder – du kannst etwas aufnehmen oder aufschreiben, was dir auffällt.“ Als ich zurückkam, hörte ich zum allerersten Mal ihre Stimme.
„Da geht doch noch viel mehr.“
Das war meine Schlüsselsituation. Digitale Medien können mehr als assistieren – sie können Unterricht grundlegend verändern, wenn wir die Möglichkeiten der Digitalität wirklich ausschöpfen. Seitdem schaue ich genauer hin, forsche dazu, was funktioniert und was nicht, probiere aus – und erzähle es heute vielen anderen weiter.
